Abschied von Vancouver und auf geht’s in den Norden

Abschied von Vancouver und auf geht’s in den Norden, mit Behinderungen durch große Brände

Unsere Wohnmobile stehen im Parkverbot in der Hastings Street/Vancouver. Wir haben herausgefunden, dass sie an diesem Wochenende nicht kontrolliert werden….Glück gehabt…und ideal für die Nacht und mitten in der City, keine 500 m von der waterfront entfernt. Ideal für abendliche Spaziergänge, wo wir in einem Tapas Lokal die alternative Szene Vancouvers beobachten, eine Kleinigkeit essen und  den Tag am warmen Abend ausklingen lassen.

In Vancouver sind Radfahrer herzlich willkommen, auf breiten Radwegen kann man die Stadt bequem erkunden, vor allem den sehr schönen „Stanley Park“. Mit seinen bis zu 1000 Jahren alten Bäumen bzw. den Resten davon, den großen Rosenfeldern sowie schönen Stränden.
An diesem Wochenende ist er voll mit Touristen und die Warteschlangen an den Bushaltestellen für die „Hope on-Hope off“ sightseeing Busse, sind quälend lang. Aber wir haben vom Einstieg am Canada Place die besten Sitzplätze hinter dem Fahrer gefunden und „hoppen“ nicht raus und rein.

Es wird heiß, sehr heiß am Samstag. Ca. 300 km nördlich von Vancouver entwickeln sich mit rasender Geschwindigkeit große Waldbrände. In den Nachrichten wird von über 220 Bränden berichtet, innerhalb von nur ein paar Stunden haben sich die Flammen am Samstag von 40 Hektar auf 4000 Hektar ausgebreitet. Viele Straßen werden in beiden Richtungen gesperrt, auch unsere direkte Strecke nach Prince George.
Wir erfahren von dieser dramatische Entwicklung auf einem Viewpoint von deutschen Touristen, die von Norden kommend, nach Vancouver fahren wollen. Im nächsten Ort finden wir ein schon geschlossenes Infocenter mit einem Aushang, der über die gesperrten und den alternativen Routen Infos gibt.
Natürlich wählen wir diese und umfahren die Brandherde weiträumig., dachten wir. Auch an der alternativen Route haben sich an den Hängen Brandherde gebildet. „Heavy Smoke“ steht auf Warnschildern, aber die ausgewählten Highways sind nicht gesperrt. Ich sehe Löschflugzeuge, die ihre Wasserbomben auf die Brandherde entladen. Dichte Rauchwolken ziehen durch die Täler, es riecht nach Rauch, schalte auf Innenbelüftung und tune den Lüfter der Klimaanlage auf die unterste Stufe. Nach 30 km und einige Täler weiter wird die Luft wieder klarer und man kann die Berggipfel wieder sehen.

Schon über 7000  Menschen wurden evakuiert und erste Häuser sind von den Flammen zerstört. In den Nachrichten wird von einer der größten Brandkatastrophen gesprochen, die je in British Columbia stattgefunden hat. Weitere 170 Feuerwehrleute werden an diesem Wochenende aus den anderen Provinzen eingeflogen.

Wir sind froh und erleichtert, dass wir auf unserer neuen Route weit von den Brandherden trotz starker Rauchentwicklung entfernt sind. Diese Route geht nordwärts auf Highway 5 Richtung der Stadt Prince George. Noch knapp 600 km, die durch High Mountains, den Hochgebirgen – den Rocky Mountains führt. Das satte Grün der Natur, welches wir jetzt wochenlang sehen konnten, ist gewichen durch gelbe, ausgetrocknete Landschaften. Es ist so trocken, dass schon ein „feuriges Wort“ es anzünden könnte.

Die Temperaturen sind tagsüber sehr hoch und keine Regenwolken erkennbar. Es kühlt sich abends kaum ab. Unsere Klimaanlagen funktionieren während der Fahrerei prima…aber im Stillstand heizt sich der Wagen schnell auf. Durchzug mit allen geöffneten Fenstern und Dachluken hilft etwas.

Zum Abschluss dieses Blog, den ich gleich versenden will, kurz die morgendliche Situation: gestern haben wir insgesamt 530 km geschafft. Nervig sind auf dem zweispurigen Highway vor allem die riesigen Trucks, die manchmal rücksichtslose Überholmanöver veranstalten. Bei Geschwindigkeitsbegrenzung, an die wir uns halten, werden wir immer wieder genötigt, rechts ranzufahren und den Rückstau vorbeizulassen. Anfänglich haben wird aus gerne gemacht, aber immer häufiger wurde uns der Stinkefinger gezeigt oder ärgerlich gehupt. Aus den europäischen Ländern kennen wir das ganz anders, da bedanken sich die Pkw- und LKW-Fahrer fast immer und winken fröhlich zu. Besonders hier in BC sind die Sitten rauer. Auch haben wir uns daran gewöhnt, dass auf mehrspurigen Straßen rechts überholt wird, obwohl wir unseren Blinker nach rechts gesetzt haben, um von der mittleren Spur auf die rechte zu wechseln. Es ist hier generell schwierig im fließenden Verkehr, die Spur zu wechseln, um z.B. ei
ne Ausfahrt noch zu erwischen. Da lobe ich doch unsere allgemein flexible Fahrweise. Natürlich haben wir auch Verkehrsrüpel…!

Nach dieser Kritik, doch noch etwas positives an den anderen, hiesigen Verkehrsregeln : wenn man bei rot an den Ampeln rechts abbiegen wil, dann darf man das auch ohne Rechtsabbiegepfeil, den wir aus der DDR übernommen haben. Viele Kreuzungen ohne Ampeln haben für jede Straße ein Stoppschild. Der erste Fahrer, der ankommt, darf fahren…und dann der nächste…und erstaunlicherweise es klappt. Die Stoppschilder werden hier sehr ernst genommen. Auch haben Fußgänger und Radfahrer immer recht, wenn sie die Straßen überqueren wollen. Es wird angehalten, anfänglich könnten wir es nicht fassen und mußten uns zwingen auch zu gehen!

Naja, andere Länder- andere Sitten.

Wir stehen in der Nacht am Eingang eines kleinen Provincial Parks auf dem Parkplatz, ca. 800 m hoch, so dass sich während der Nacht die Luft abgekühlt hat. Die Fahrgeräusche des nahen Highways und der Güterzüge sind erträglich. Die Sonne kommt kaum durch, als wenn sie von Rauchwolken verdunkelt wird…es sind nicht die notwendigen Regenwolken. Wir müssen aus dieser Gefahrenzone raus, noch sind es 250 km bis Prince George, unser nächstes Etappenziel.

Fotos kommen später, wenn ich free Wifi gefunden habe.

Sollten noch Tippfehler von eifrigen Bloglesern gefunden werden, bitte ich um Nachsicht…für die  redaktionelle Nachbearbeitung ist jetzt keine Zeit mehr.

Grüße alle vom GPS Standort Nord 52’5551“ und West 119’22“

Norbert,
VE6/DJ7JC

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