Alaska – Halbzeit und Wendepunkt

Halbzeit und Wendepunkt unserer 6-monatigen Kanada-Alaska-Kanada-Tour

Am 21. Juli erreichen wir nach exakt 15 072 km Anchorage/Alaska. Wir sind am Wendepunkt unserer Reise angekommen.

Und schon wieder erfüllt sich ein Jugendtraum von mir, der bei mir durch das Lesen als Jugendlicher aus spannenden Büchern entstand.

Renate war schon 1992 hier, als gerade der Vulkan Mont Spur ausbrach und die Stadt unter einer Aschedecke begrub.

Zur Erinnerung: Am 24. April 2017 erreichen wir per Flieger Halifax / Nova Scotia im Osten von Kanada. Unsere beiden Wohnmobile haben wir von Hamburg aus verschiffen lassen und sie lassen auf sich warten. Endlich können wir sie am 01. Mai aus dem Zoll im Hafen von Halifax abholen. Kaltes, ja nasskaltes Wetter empfängt uns. Der Frühling kommt hier gemessen an unseren Jahreszeiten, sehr spät. Dieses Jahr besonders.
Trotz Absage und Verleugnung des Klimawandels durch den Chaoten Trump spürt Kanada in diesem Jahr den Klimawandel besonders; dieser hält sich einfach nicht an das Dekret aus dem Weißen Haus.

Es hört nicht auf mit den unendlich erscheinenden Niederschlägen. Riesige Gebiete werden in New Brunswick und Ontario überflutet. Wir stecken fast mittendrin und müssen Umleitungen wegen gesperrter Straßen und Brücken in Kauf nehmen.

Es ist nachts noch richtig kalt, bis auf fast Null Grad fällt das Thermometer, der Gasverbrauch ist in den ersten Wochen für die Heizung enorm. Dennoch genießen wir Kanada, erleben und begegnen hier im Osten immer wieder sehr freundlichen Menschen, die uns sogar zu sich nach Hause einladen.

Der Frühling kommt, zwar sehr zögerlich, ja wir erleben den Anfang einige Male aufs Neue, je nach Höhenlage und Region. Wir haben bei unseren Planungen unterschätzt, dass die Jahreszeiten hier in Nordamerika anders verlaufen. Kalte, sehr kalte Winter, kurze Frühlingszeiten, erst ab Mitte Juli beginnt der Sommer, dann mit voller Kraft. Bis dahin sind alle Campgrounds, Infocenter und Nationalparks geschlossen /closed. Mit unseren Wohnmobilen sind wir Gottseidank ziemlich autark. Solarzellen laden unsere beiden Bordbatterien, und wenn ich funke, habe ich noch einen kleinen Honda-Generator. Wasser nachzutanken, erfordert immer wieder Phantasie und Kommunikationskompetenz. Da wir unsere Wassertanks bislang immer befüllen konnten, scheint diese zu reichen.

Von den vielen Erlebnissen, wie z.B. das im Vergleich zu uns sehr unterschiedliche, manchmal sehr sture, unflexible Verhalten der Autofahrer, habe ich in den verschiedenen Blogberichten beschrieben.

Stur sind auch die Frankokanadier in Quebec. Sie haben nach 150 Jahren noch nicht akzeptiert, dass sie nicht der Mittelpunkt Kanadas sind, und die überwiegende Mehrzahl spricht kein Englisch, oder sie wollen es einfach nicht…wie immer, gibt es Ausnahmen, sehr erfreuliche auch. Sie halten dieses Verhalten auch nicht für gut. Interessant ist, wenn wir darauf hinweisen, woher wir kommen, ändert sich einiges.

Die Frankokanadier haben immer noch eine tief sitzende Wut auf die englischsprachige Fraktion im „Restkanada“, gegen die sie so manche Schlacht verloren haben.

Wir erleben die 150-Jahrfeier zur Gründung des Staates Kanada in Regina (spricht man aus als Rädjina), der Hauptstadt von Saskatchewan. Das gesellschaftliche Treiben zu diesem Event war schön mitzuerleben. Vieles konnten wir dabei beobachten, vor allem, dass man stolz darauf ist, Kanadier zu sein. Immer wieder hören wir auch ungefragt, welch hohe Reputation Deutschland auch in Kanada und hier in Alaska/ USA haben. Vor allem fällt immer wieder der Name unserer Kanzlerin, was sie alles gut und nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt macht. Der Blick von draußen ist schon spannend, vor allem in der derzeitigen desolaten USA-Situation, für die man sich geradezu schämt.
Vielleicht kapieren auch die letzten Anhänger bei uns, die den populistischen Sprüchen von AfD etc. glauben, wohin das führen kann. USA und auch in England zeigt sich, wenn ein Volk sich so verführen läßt. Der Brexit, ein weiteres Beispiel, führt in ein Desaster für uns in Europa und vor allem für das United Kingdom. Die Populisten verführen und machen sich aus dem Staub, wenn es ernst wird.

Dann macht es mich auch manchmal wütend aber auch hilflos, wenn ich Menschen in meinem Umkreis erlebe, die auf den Sprüchen und den falschen Versprechungen von AfD etc. immernoch reinfallen.

So, genug davon!

Wir sind in Anchorage, Alaska, am Ende der Welt, wie man hier sagt, oder auch „On top of the world“! Eine sehr schöne Stadt mit einer faszinierenden Umgebung, vielen Inseln, den hohen Bergketten und sehr freundlichen, lebensbejahenden Menschen.

Es gibt einen wunderschönen Trail am Wasser entlang, der zu einer Gedenkstätte des Erdbebens von 1964 mit 9,2 auf der Richterskala führt. Sehr interessant sind die großen Informationsstände, auf denen Ursache und Wirkung der Erdbeben anschaulich dargestellt sind. Diesen ca 20 km langen Weg und auch Anchorage haben wir mit unseren Fahrrädern bei schönstem Wetter erlebt.

Als wir zu unseren Autos zurückkommen, haben wir Strafzettel unter den Scheibenwischern. Unsere Tickets waren gültig und an den Seitenfenstern sichtbar festgeklemmt. Schon in Winnipeg hatte ich eine vergleichbare Situation, innerhalb von 15 Tagen sind 30 $ danach 60$ zu zahlen. Ich habe unsere Tickets fotografiert und per email an die Administration in Seattle/Washington geschickt. Der Witz an der Geschichte ist, dass als „State“ auf dem Strafzettel neben unseren Autonummern der US Staat „DC“ angegeben ist. Offensichtlich haben die Kontrolleure unser D als State-Zuordnung identifiziert. Naja, wir sehen das gelassen, denn unsere Zahlungsbelege sind eindeutig und man darf uns gerne im Staat Washington DC im Autoregister suchen. Wahrscheinlich erledigt sich diese irrwitzige Aktion mit der Antwort der Administration in den nächsten Tagen.

Wir fahren am Sonntag, den 23.07. nach dem Einkauf im Supermarkt Walmart, in Richtung Süden auf dem Sewart Highway nach Portage Valley, um eine Schiffs-Cruise zum Portage-Gletscher zu machen. Wir sind nicht alleine auf dem Highway, Schlangen und Staus wie auf der A40 zwischen Bochum und Essen. Wir bekommen doch noch rechtzeitig Tickets für diese einstündige eindrucksvolle Tour. Gletscher fast zum Anfassen. Phantastisches Wetter, so dass das Sonnenlicht vom Gletschereis nur das längstwellige Blau reflektiert. Dieser Effekt wird durch das jahrhundertelang verdichtete Eis bewirkt, alle anderen Farben des Lichtspektrums werden absorbiert. Wir lernen viel über die 20000 Jahre der Entstehung der Gletscher und natürlich über die durch den Klimawandel, den es ja laut Trump nicht gibt, beschleunigten Schmelzvorgänge.

Tolle Fotos und Videoaufzeichnungen sind uns gelungen, schon die Fahrt nach Portage Valley ist eine Reise wert. Am Wasser entlang und die schneebedeckten Mountains lassen unsere Blicke nicht ruhen, wenn dieser starke Verkehr nicht wäre. Dennoch halten wir immer wieder an den Viewpoints für unsere Schnappschüsse.

Nach der Cruise machen wir eine Mittagspause, bevor wir dann uns auf den Weg Richtung Valdez, ungefähr 500 km weit, machen. Über Valdez, erinnern wir uns, wurde durch eine Ölpest ungeheuren Ausmaßes getroffen. Schön das Erdbeben hatte in den 60er Jahren die Stadt total zerstört, von 600 Einwohnern konnten 67 nur tot geborgen werden.

 

 

 

 

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