Bakwash-Ontario

Samstagabend, 24.06. 2017 Kenora- Sonntag, 25.06. 2017 
Montag, 26.06. 2017 Provincial Naturpark Bakwash

Locator: EO30GS
GPS: 50.778 Nord, 93.443 West (Bakwash,Ontario)

Samstagmittag, 24.06., gegen 13:30 Uhr schlägt das Regenwetter kurz vor der Abfahrt unseres Kreuzfahrtschiffes auf dem Lake of Woods in Kenora plötzlich um: Der Dauerregen legt eine Pause ein, die Sonne kommt sogar auch mal durch. Zwar kühl, aber gut eingepackt, erleben wir vom  Oberdeck aus die Tour, die durch viele bewaldete Inseln und Küstenstreifen führt.

Insofern ist unsere heutige Entscheidung, in Kenora zu bleiben, goldrichtig. In mehrfacher Hinsicht ist es eine interessante Kreuzfahrt: Wasserflugzeuge landen und starten, Motorsportboote schießen an uns vorbei, Stehpaddler und Kanus beleben den riesigen Lake. Einer der Inseln wird seit den 30iger Jahren von Mitgliedern der englischen Königsfamilie als Sommerurlaubsort genutzt. Das erhöht die touristische Attraktivität, die schon durch die Schönheit dieser Insellandschaft gegeben ist.

Viele Familien, die eindeutig der First Nation zugeordnet werden können, sind mit uns an Bord. Sie sprechen nur in ihrer Stammessprache untereinander. Eine Integration mit den „zugereisten Kanadiern“ können wir nicht erkennen. Die beiden Bevölkerungsgruppen nehmen überhaupt keine Notiz voneinander, kein Blickkontakt oder der übliche Spruch „How’re you doing?“ ist zu hören. Gut zu erkennen ist, dass sich keiner an der anderen Gruppe stört, wie man es bei uns zwischen den Migranten und Einheimischen leider immer wieder erleben kann.

Im Hafengelände findet der 2. BBQ-Wettbewerb (Contest) statt. Viele BBQ-Stände, bei denen es Chicken Wings zum Kosten gibt, bewerben sich um den begehrte BBQ-Titel. An den Autoschildern ist zu erkennen, dass viele BBQ-Bewerber aus Manitoba, aber auch aus Wisconsin/USA sowie der weiteste, aus British Columbia (Vancouver) angereist sind.

Wir aber machen uns auf den Weg und warten die Siegerehrung unter dem großen Pavillon nicht ab. Es ist wirklich gut, auch solch ein gesellschaftliches Leben mal erlebt zu haben. Und mein Spruch gilt wieder: Provinz ist überall, so sind’se die Menschen…wie bei uns die Stadt- oder Schützenverein-Feste.

In Vermilion finden wir einen Parkplatz direkt mit Blickrichtung auf den Eagle-Lake. Eine Reihe von Autos mit Trailern für Sportboote setzen gegen Abend ihre Sportboote ins Wasser und brausen damit auf eine der weiter entfernten Inseln zu. Samstagabend-Party?

Eigentlich herrscht hier absolute Ruhe, aber die Schienen, die nur wenige Meter hinter unseren Autos vorbeiführen, werden leider auch genutzt. Nicht Personenzüge, sondern Güterzüge mit in zwei Etagen gestapelten Containern. Länge der Züge geschätzt etwa 2 km. Zwei Loks vorne, eine in der Mitte und am Ende des Zuges noch einmal eine Lok. Nicht nur laut im Fahrgeräusch, sondern bei den unbewachten Bahnübergängen wird weit vorher ein ohrenbetäubendes Hup-Signal mehrfach ausgestoßen. Gottseidank gibt es nur einen Zug gegen Mitternacht.

Die Regenwolken haben sich verzogen und ich schaue mir einen wunderschönen klaren Sternenhimmel an. Nach dieser Zwangspause durch das Hupkonzert kann ich wieder gut einschlafen.

Dank des klaren Sternenhimmels ist die Außentemperatur auf ca. 6 Grad und die im Auto auf 14 Grad gesunken: Sommer?

Vor dem Frühstück mache ich seit langer Zeit mal wieder die Heizung an, auch um das Duschwasser zu erwärmen.

Overnight Parking ist zwar auf solchen Plätzen nicht erlaubt, wird aber praktisch nicht kontrolliert. Ein Ranger verriet uns vor einigen Tagen, dass man höchstens bei einer Streife mal aufgefordert werden würde, doch einen anderen Platz zu suchen. Anders ist es in den Nationalparks. Dort muss man sich auf den  Campingplätzen registrieren und bezahlen.

Mit unseren kleinen (nice and tiny) Wohnmobilen, können wir beide Wagen auf den großen Stellplätzen unterbringen. Die kanadischen Wohnmobil-Kolosse, mit bis zu 60 Personen-Busgröße mit seitlich ausfahrbaren Zimmerwänden, oft noch mit einem PKW auf einem Trailer dahinter, belegen solche Plätze üblicherweise.  Unsere beiden 5,99m-langen Wohnmobile erreichen nicht einmal diese Länge. Durch die Nutzung eines Platzes reduzieren sich unsere Stellplatzkosten erheblich. Roundabout 15€ pro Person pro Nacht… geht doch.
Alle facilities inclusive, shower, Waschmaschine stehen zur Verfügung, und falls ich mal die Endstufe für meine Funkstation nutzen will, auch ein 110Volt-Anschluss für meinen Trafo 110:230V.

Wir haben gestern Abend noch einmal unsere Reiseroute geplant, um unsere nächsten Ziele und die Zeiten zu überprüfen. Von hier in Vermilion geht eine Art Landstraße Straße ca. 200km nördlich in einen Nationalpark mit unzähligen Seen und das Besondere daran ist, dass hier, soweit ab der Zivilisation, die auf der Welt einmaligen Weißkopfseeadler zu beobachten sind.

Da wir für die ca. 3200 km bis Goose Bay in Labrador noch rund 35 Tage zur Verfügung haben, erlauben wir uns dieses Ziel. Nicht nur die Seeadler interessieren uns, sondern auch  diese unglaublich faszinierende Landschaft.

Ja, die großen Seeadler haben wir kreisen gesehen. Die Spannweite der Flügel ist sehr beeindruckend.

Also diese Art unserer Reise ist nicht kopierfähig für diejenigen, die nur Zeit für kurze Trips zu den klassischen, touristischen Zielen in Kanada haben.

Sonntagabend, wir sind die 200km-Strecke von Vermilion zu dem kleinen Örtchen Red Lake gefahren. Viele Stopps legen wir zum Filmen und Fotografieren ein. Die kleinen Dörfer unterwegs machen wieder einen sehr ärmlichen Eindruck mit ihren üblichen Schrott- und  Müllbergen an nahezu jedem Haus. Massen an Trailern für den Transport der Fischer- und Sortboote stehen überall herum. Viele Einlassstellen, an den nicht mehr nachzählbaren Seen, zeugen davon, dass sowohl der Angler- als auch Wassersport hier zuhause ist. Jedes Örtchen verfügt über eine Marina. Hier fällt die große Anzahl von Wasserflugzeugen auf. An vielen privaten Stegen sind nicht nur flotte Sportboote, sondern auch die kleinen E-Klasse-Flieger befestigt. Private Stichstraßen mit noblen Wochenendhäusern zeugen von einer gut situierten Stadtgesellschaft mit Hang zum Wasser- und Angelsport, die hier ihre Wochenenden und Ferien verbringen.

Auf der Suche nach einem Stellplatz für die Nacht fahren wir auch zwei in privatem Besitz befindliche Campgrounds an, deren noble Hinweisschilder anspruchsvolle Plätze vermuten lassen. Was uns völlig umhaut, sind jedoch vergammelte Plätze mit Dauercampern. Zwischen deren Schrott-und Müllhaufen sollen wir die Nacht verbringen.

Wir erinnern uns, dass sich auf der Strecke eine Abfahrt zu einem Provincial Naturschutzpark befindet. Den steuern wir an und machen einen „Lottogewinn“. Direkte Plätze an der Beach mit Blick auf den großen Bakwash Lake … absolute Ruhe, keine Eisenbahnschienen, kein Fremdlicht und alle facilities, für einen auf den ersten Blick gut geführten und gepflegten Platz.

Wir finden unseren Traumplatz mit eigenem Strand, nur 30 m zu unseren Autos zum Einlassen unserer Kayaks in den Lake…geradezu ideal. Die Wassertemperatur ist vielleicht so um die 12 Grad…nichts mit Schwimmen!

Der Regen hat gestern Abend aufgehört sich zu ergießen, heute früh kommt die Sonne durch. Nächtliche plus 7 Grad springen mit zunehmendem Sonnenschein auf angenehme 15 Grad, warm genug für uns, zu kalt für die Mücken! Dafür die dicken Fliegen, die frechen, mit den blauen Rücken. Jeder kennt sie!

Der Park liegt so abgelegen, dass es sich für den Betreiber kaum lohnt, das Kassenhäuschen am Eingang zu besetzen. Bezahlt haben wir mit bereitliegenden Regristrierungsumschlägen, in die auch die Gebühr eingefügt wird. Den Briefumschlag wirft man in einen sicheren Briefkasten.

Wir entscheiden uns, mindestens zwei Nächte hierzubleiben. Auch oder gerade deshalb (!), weil es hier weder ein Mobilfunknetz noch ein freies Wifi gibt. Gebe ja zu, dass dieser Zustand für mich als Internetfreak eine harte Übung ist…merke aber auch, dass es mich frei macht für andere wichtige Themen und Beschäftigungen.

Amateurfunk:

Gestern Abend, bei einem schönen Sonnenuntergang, habe ich noch eine Antenne hochgezogen. Direkt am Wasser, leider kein Salzwasser, verspricht es doch mit dem offenen Take-off Richtung Westen und Süden bei normalen Funkbedingungen endlich mit EU etc. Funk-Verbindungen mit den Freunden aufnehmen zu können. Abermals Pech gehabt!
Da ich keinen Internetzugang habe, kann ich nicht auf die Funkwetterwerte schauen.

Nur ein paar US- Stationen und PV8ADI, die Superstation aus Brasilien, waren zu hören. Ein wohl verzweifelter CQ-rufender Funkfreund aus Houston in Texas reagierte sofort auf meinen ersten Anruf. Also läuft meine Technik und auch das Antennensystem.

Werde gleich noch eine Monoband-Groundplane mit drei Radials aufhängen und mit der Landrahtantenne, angepasst über den Automatiktuner mit einem elevated Radial, vergleichen.

Für meine Solarzellen bringt die Sonne genügend Energie, die beiden Bordbatterien sind mit der Vormittagssonne wieder voll geladen. Ohne Pa könnte ich damit bis spät in die Nacht hinein Funkbetrieb mit 100 Watt machen…könnte ich…!
Aber wir befinden uns im Sonnenfleckenminimum!

Die 20-m-Groundplane steht direkt am Lake Bakwash. Einspeisung in 3 m Höhe: Gutes SWR.
Erste Vergleiche der Signale aus USA zeigen leichte Richtungsabhängigkeiten. Wenn nachher 20m hoffentlich in Richtung EU aufgehen sollte, bin ich gespannt, welche der beiden Antennen bessere Signale bringt.

Die Groundplane bringt bei dxstationen ca. 5-7 dB mehr an Feldstärke. Bei Stationen bis zu 2000 km Entfernung ist kein Unterschied zu meiner anderen Drahtantenne (2x20m mit Autom. Antennentuner) erkennbar. EU-Stationen kann ich noch immer nicht auf 20m hören.

Info an Freddie, VE3MCE:

Falls Du, Freddie, Ve3mce, das hier liest, dann solltest Du wissen, dass ich mehrfach morgens auf Deiner Frequenz 14.133 MHz reingehört habe. Nur einmal konnte ich im Rauschen Deine Stimme eindeutig hören, ansonsten nichts. Dein toller Beam ist gut für die Richtung nach Deutschland,  aber seine Rückseite ist nichts für den mittleren Westen von Canada. Zu dem scheint der skip zwischen uns höchstwahrscheinlich auch sehr ungünstig zu sein. Deine Qso-Freunde im Frankfurter Raum konnte ich nicht aufnehmen.

Sind die Bedingungen immer noch so schlecht?

Wenn wir am kommenden Wochenende einen guten Stellplatz gefunden habe, werde ich mal im DL-DX-RTTY CONTEST nach DL-Stationen, insbesondere nach unserer Clubstation DL1T, suchen.

Hier im Westen von Ontario beträgt die Zeitdifferenz zur Sommerzeit in DL 7 Stunden.

Cu es Vy 73 Norbert, VE3/Dj7jc

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