Burntcoat Head, 27. September 2017 Nova Scotia

Ein Rückblick, eine Zusammenfassung unserer letzten Ziele.

– Die höchste Tide der Welt in Burntcoat Head, NS
– Cape Breton, die schönste Küstenstrasse der Welt
– Fort und Fortress Louisbourg
– Highland Village: Frelichtmuseum der schottischen Einwanderer
– Baddeck: Alexander Graham Bell Museum
– Prince Edward Island (PEI) und
– Akadier Museum in Miscouche (PEI)
– Pugwash-Konferenz 1957/Friedensnobelpreis für das Russell-Einstein-Manifest

Von Renate Neuber:

Burntcoat Head…ist vielleicht nicht ganz so unbekannt, wie uns allen, denn wer sich für Meer und Mond interessiert, kennt das wohl. Hier in der Nähe waren wir vor 5 Monaten schon einmal, hier, wo der weltweit höchste Tide-Hub ist. – Diesmal bin ich besser vorbereitet, wir haben unsere Wohnmobile und nicht nur einen PKW, wir sind wirklich dort genau an der Stelle, wo der Hub am höchsten ist, und ich habe einen Tidekalender, damit ich nicht ins Wasser starren und raten muss, wann denn nun Ebbe ist.
Letzteres wäre nicht nötig gewesen, denn es steht angeschlagen, nur dass die Zeit für die Ebbe im Kalender von der hier angegebenen Zeit um 20 Minuten differiert.
Ist aber egal, kann man als kleiner Touri sowieso nicht unterscheiden.
Wir sind seit gestern abend hier. Es war schon eine Stunde ablaufendes Wasser. Mir sieht es nicht so aus, als sei der Tidehub im Moment gewaltig. Gut, das weiß ich in vier Stunden besser. Vorhin war ich unten am Wasser als Low-Tide war. Mal sehen, wie es nachher aussieht.
Das heißt, wir haben heute einen kilometerlosen Tag, und ich kann meine Füße wieder zu etwas anderem gebrauchen als zum Gasgeben und Bremsen.
Wir waren eine Woche auf Cape Breton Island, das zu Nova Scotia gehört und seit den 50-iger Jahren durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist und damit seines Inseldaseins beraubt wurde.
In dem seit 30 Jahren wiederaufgebauten Ford Luoisbourg haben wir uns einen ganzen Tag herumgetrieben, dort, wo die Engländer im 18. Jahrhundert mal wieder eine blutige Spur hinterlassen haben. Nachdem sie alles, was auch nur französisch, bzw. nicht englisch aussah, totgeschlagen hatten, schliffen sie das Fort, zerstörten den Ort und nahmen Steine, Geräte, Möbel, einfach alles mit, was sie gebrauchen konnten und was die Franzosen nicht rechtzeitig selber vernichtet hatten und bauten damit ihr eigenes Fort in Halifax auf. Das ist dann wohl englisches Recycling.
Das Wetter meinte es so sonnig mit uns, dass es selbst dem Touristenführer, den wir uns zur Einführung antaten, Bemerkungen wert war.
Touri sein macht auf Dauer hungrig. Eines der nach akribischen Recherchen der Wissenschaftler wiederaufgebauten Häuser der Festung (die Engländer waren in ihrem Zerstörungswerk sehr gründlich gewesen) war ein Hotel, in dem man auch heute etwas zu essen bekommen sollte.
Das Personal war gekleidet wie im 18. Jahrhundert üblich, die Ausstattung des Essraumes war es auch. Wir bestellten das Tagesmenü – irgendwas mit Fisch. Dass es zur Vorsuppe einen Löffel gab, überrascht nicht wirklich, nur war er etwas seltsam geformt und aus Zinn, genau wie die Suppentasse.
Die wurde dann wieder eingesammelt. Auch das überrascht nicht, denn schließlich warteten wir ja auf unseren Fisch. Nur, dass wir den Löffel behalten sollten, verstanden wir zunächst nicht. Dann Zinnteller mit Fisch und Gemüse. Sah gut aus. Tja, und das Werkzeug dazu? Nichts. Da klingelte es bei mir. Wir waren im 18. Jahrhundert! Da gab es weder Messer noch Gabel zum Essen. (Üblicherweise hatte damals jeder selber seinen eigenen Löffel immer dabei. Keine Familie hatte damals mehr Löffel als Familienmitglieder, so dass Besucher oder Gäste nicht damit versorgt werden konnten. Und bei kleinen Leuten bestand er aus Holz, nicht aus Zinn. – In Lokalen mag das anders gewesen sein. Auf keinen Fall aber gab es Messer und Gabel.) – Tja, da saßen wir nun und aßen sehr zum Spaß von zwei Amis, die mit uns am Tisch saßen, mit einem tiefen Zinnlöffel den ausgesprochen delikaten Fisch und das schmackhafte Gemüse. – Es war die beste Mahlzeit, die ich hier in Kanada je gegessen habe.
Auch für den anschließenden Kaffee musste der Löffel benutzt werden. Den Zucker -so man ihn brauchte – entnahm man einem Zuckerpott mit braunem Zucker, der auf dem Tisch stand. Allerdings mit dem breiten Stielende des Löffels, mit dem dann auch der Kaffee umgerührt wurde. – Flüchtig fragte ich mich, ob es damals schon Kaffee gegeben hat, aber das konnte ich auf die Schnelle nicht beantworten.
Ebenfalls im 18. Jahrhundert waren wir in dem Schottenmuseum in Highland-Village. Die Schotten hatten, so erfuhr ich, nicht erst nach Colluden die Flucht nach Kanada angetreten, sondern viele waren schon früher auf und davon, weil sie das ständige gegenseitige Totschlagen zwischen Schotten und Engländern nicht mehr ertragen konnten, ihre Söhne und Männer diesem sinnlosen Abschlachten nicht länger opfern wollten und nirgendwo in Schottland eine auch nur halbwegs sichere Existenz zu finden war. – Mit der Frau, die in dem Museum in einer Hütte des 17. Jahrhunderts in Schottland „lebte“, hatte ich eine längere Unterhaltung über Schottlands Vergangenheit, und ich lernte eine Menge dazu. Sie hatte, schien mir, genauso viel Freude an der Unterhaltung wie ich. Und da wir so früh noch die einzigen Besucher waren, konnten wir uns viel Zeit lassen – und ich hatte eine Menge Fragen.
Wenn wir nun geglaubt haben, dass wir nach 3 Stunden Schotten und 7 Stunden Louisbourg der Kultur und Geschichte Genüge getan haben, irrten wir uns sehr.
Kennt irgendjemand Baddeck? – Nee, habe ich auch nie vorher gehört. Dort aber gibt es das Bell-Museum. Nun weiß man ja, dass Alexander Bell das Telefon erfunden hat. Ich wusste auch, dass er einen Weg gefunden hatte, Gehörlosen (seine Frau war ebenfalls gehörlos) das Sprechen zu lehren, aber ich hatte nicht gewusst, dass es wohl kaum ein technisches Thema oder Problem gegeben hat, um das er sich nicht gekümmert und wofür er keine Lösung gefunden hätte. Irgendwie wurde ich an den guten alten Leonardo erinnert, als dort auch Gegenstände und Zeichnungen ausgestellt waren, von denen niemand eine Ahnung hat, was das denn nun sein sollte.
Am meisten überraschte es mich allerdings, dass er auch ein erfolgreicher und damals wohl bekannter Pionier der Motorfliegerei gewesen ist.
Und dieser Alexander Bell wohnte und lebte in Baddeck auf Cape Breton Island – wenn er nicht gerade irgendwo anders auf der Welt unterwegs war.
Tja, reisen bildet eben doch.
Aber damit musste es jetzt gut sein mit Museen. Die Sonne schien. Das Wetter wurde geradezu herrlich! Wer sollte denn das glauben? Wir also in den Westen der Insel auf den Cabot-Trail – der schönsten Küstenstraße der Welt, wie man nachlesen kann.
Das kann ich natürlich nicht beurteilen, aber sie war schon atemberaubend. Vor allem die Ostseite am Atlantik entlang, dort, wo sich die Straße hinaufschraubt bis zum Cape Smokey, dann wieder abfällt und tausend herrliche Blicke auf den Ozean freigibt. Da es freundlicherweise ausreichend viele Lookouts gibt, kommt jeder, der sich Zeit lässt, auf seine Kosten.
Wir ließen unsere Seelen baumeln und zuckelten drei Tage über den Trail. Ein wirklicher Hochgenuss – und das bei einem Bilderbuchwetter. Welch ein Traum!

Prince Edward Island stand ursprünglich nicht auf meiner Reiseroute, aber da wir schon mal hier waren und weil Norbert von dort aus unbedingt funken wollte, sind wir also hin. Außerdem reihten wir damit auch Kanadas 10. Provinz in unsere Route ein. Mehr gibt es nicht. Damit haben wir allen unseren Besuch abgestattet, zuzüglich der beiden Territories Yukon und Northwest. Nur Nunavut bleibt außen vor. Aber dahin gibt es leider auch keine Straßen. Außerdem bin ich sicher, dass unsere Autos für dort in keiner Weise ausgerüstet und geeignet wären.
Nun also Prince Edward Island, ein Name, der auch den „Eingeborenen“ dort zu lang ist und außerdem auf kein Straßenschild passt. Also spricht man schlicht von PEI.
Auf eine Insel kann niemand einfach fahren. PEI bietet wahlweise eine Brücke und eine Fähre an. Hin kommt man gratis, egal, welche Möglichkeit man wählt, zurück muss gezahlt werden.
Natürlich wollten wir beides. Hin wählten wir die Fähre.
Und was soll ich über diese Insel sagen? Sie ist die kleinste der kanadischen Provinzen und nicht nur nach kanadischen Maßstäben winzig. Sie ist etwa doppelt so groß wie das Saarland.
Sie sieht auch aus wie Europa. Sehr sauber, sehr besiedelt, sehr ordentliche Häuser (Außenanlagen sind allerdings auch hier Fehlanzeige, aber die lohnen sich bei diesem Klima vermutlich auch dort nicht) auf riesigen Grundstücken mit akkurat geschnittenen Rasenflächen und mit den obligatorischen kanadischen Gartenstühlen bestückt – und ohne Schrottplatz daneben.
Ach, diese Gartenstühle! Die sind einfach traumhaft toll. Allerdings sehr schwer und vermutlich kaum zu transportieren. Darum kann ich sie mir hier nicht kaufen. Die sind einfach das, was ich für meinen Teich brauche. Sie fliegen auch nicht bei jedem Windstoß gleich durch den Garten. Und sie sind sooooo bequem!!!

Die Leute auf PEI leben und lebten seit jeher von der Landwirtschaft und der Fischerei. Die viele Landwirtschaft, Feld an Feld, nicht so riesengroß, dazwischen Wiesen mit Rindern, ab und zu ein Wäldchen, machen einen europäischen Eindruck. Erwartungsgemäß hat man dort nicht den Eindruck, in Kanada zu sein. Die Küsten der Insel mit ihren sandigen Stränden und Dünen werden in den Reiseführern großartig angepriesen. Nun, das mögen sie vielleicht auch sein, aber wer die deutsche Nordseeküste und die friesischen Inseln mit ihren wogenden Dünenlandschaften kennt, der kann die von PEI nicht sonderlich beeindruckend finden. So ging es mir zumindest.
Die Landwirtschaft haben natürlich die Europäer mitgebracht, die Akadier, um genauer zu sein. Die konnten es wie überall gut mit den Micmacs, den dort ansässigen Indianern. Kein Morden, kein Totschlagen. Jeder lernte von jedem, man respektierte sich, und jeder trug seinen Nutzen davon.
Bis die Engländer kamen. Indianer wurden sowieso sofort totgeschlagen. Was sonst sollte damit anzufangen sein! Den Akadiern erging es nicht viel besser. Wer Glück hatte und dem Gemetzel entkam, wurde „nur“ deportiert und sollte über England nach Frankreich gebracht werden. Wer auch diese Überfahrt zufällig überlebte, war auch dort nicht willkommen.
So kehrten sie nach PEI zurück, als sie es wieder durften, weil die Engländer Bauern und Fischer brauchten. Aber weil es dort kein Land mehr für sie gab, wurden sie Leibeigene hochherrschaftlicher Engländer, die oft genug dort noch nicht einmal selber lebten. So hatten sie sich ihr Leben in der alten Heimat sicherlich nicht vorgestellt.
In einem kleinen Museum in Miscouche auf PEI haben wir uns diese brutale Vergangenheit angesehen. Uns ist fast schlecht geworden. „Und“, fragte ich die junge Dame, die die Tickets verkaufte, „haben sich die Engländer jemals bei den Akadiern entschuldigt?“ „No“, sagte sie und machte einen sehr erstaunten Eindruck auf meine Frage.

Obwohl die Akadier ihre Vergangenheit hochhalten und nicht in Vergessenheit geraten lassen wollen, ist die Bevölkerung doch sehr englisch orientiert und geprägt. Auch in Charlottetown, der Hauptstadt von PEI an der Südküste. In einen englischen Pub hätte es mich nach diesem Museumsbesuch ganz sicher nicht gezogen, aber es gibt dort viele schottische und irische Pubs.
In Dublin-Pub haben wir dann schließlich noch einen Platz an der Theke gefunden, wo wir warteten, bis ein Tisch frei wurde, denn Norberts Magen knurrte. Die Pubs in der Altstadt waren samt und sonders hoffnungslos überlaufen, obwohl es Montag war.

(Egal, was man in Kanada an Essen bestellt, es sind immer Fritten dabei. Oder Chips. Dieser Knusperkram, den es hier in allen möglichen Farben, vielleicht auch in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen gibt, ist aus der Welt der Kanadier und ihrer Supermärkte nicht wegzudenken. – Von der kanadischen Speisekarte bin ich gründlich bedient, nachdem mir in einem sogenannten französischen Restaurant, wo ich auf Essen hoffte, das diesen Namen auch verdient, ein riesiger Berg eben solcher dreieckiger Chips, übergossen mit Käse, serviert wurde…und dazu Messer und Gabel gereicht bekam!!! Ich hatte nicht geahnt, was sich hinter dem Namen dieses großartigen Mahls verbergen würde, aber dass ich öden Knusperkram mit Messer und Gabel essen sollte, fand ich ebenso geschmacklos wie diese dreieckigen Knurpsdinger schmeckten. Ich habe sie übrigens nicht alle gegessen, nur die paar, die mit Käse überzogen waren.)

Natürlich bekam Norbert auch in dem Dublin-Pub Fritten zu seinem Fisch. Aber kaum war er fertig, traten drei Musiker auf die winzige Bühne fast genau vor uns. Und dann ging die Post ab. Irische Lieder, unglaublich rhythmisch und mitreißend, laut begleitet von den vielen Gästen, die ganz offensichtlich irgendwie irische Ursprünge hatten.
Zum Schluss fragte der Bandleader, woher wir Gäste denn nun kämen. Es entpuppten sich die meisten natürlich als Kanadier, die bis aus British Columbien angereist waren, viele Amis, zwei Luxemburger, zwei Neuseeländer, tja, und auch zwei Deutsche. Als die Band dann „This land is your land“ anstimmte, brüllte der ganze Saal begeistert mit. Ich auch. Mit welchem Lied sonst kann man all diese Nationen besser erreichen, die dort versammelt waren! Lustigerweise hatte die Band irgendwie den Refrain umgetextet, denn ich hörte irgendetwas von „Prince Edward Island“ heraus. Aber das machte nichts. Das Publikum sang eh den Originaltext, und alle vereinigten sich fröhlich unter diesem Lied.
Das war dann mal ein wirklich gelungener Abschiedsabend von PEI.
Wir nahmen den Rückweg über die 13km lange Confederation-Bridge. Die Bewohner von PEI sind offensichtlich noch immer stolz darauf, dass in ihrer Hauptstadt Charlottetown die konstituierende Sitzung zur Gründung Kanadas stattgefunden hat, sonst hätten sie weder die Brücke so genannt, noch dies auf ihren Nummernschildern der Autos verewigt. Nur, dass sie selbst es waren, die diesem Zusammenschluss 1867 nicht beigetreten waren, sondern sich noch etwa 10 Jahre zierten, weil die Anhänglichkeit an Großbritannien gar zu groß war, verschweigen sie heute wohl gern. Trotzdem, es waren damals nur Nova Scotia, Québec, Ontario und New Brunswick gewesen, die Kanada am 1. Juli 1867 aus der Taufe hoben.

Höchste Tide der Welt bei Ebbe Burntcoat Head Park an der Bay Fundy in NS

Höchste Tide der Welt bei Ebbe Burntcoat Head Park an der Bay Fundy in NS

Jetzt ist es noch eine Stunde bis zur High-Tide. Ich war zwischendurch mal am Wasser, aber sehr beeindruckend war das nicht. Der Tidehub von 16 m wird wohl deutlich ausbleiben. Ob es daran liegt, dass wir gerade mal knappen Halbmond haben und Sonne und Mond vielleicht irgendwie ungünstig zueinanderstehen, weiß ich nicht. Jedenfalls wird mein Staunen wohl ausfallen.
Es ist ausgefallen, um nicht zu sagen, wir sind beide bitter enttäuscht. Sooo viel Wirbel und Werbung um im Grunde nichts. Wir haben also Pech, denn die Spuren, die hier zu sehen sind, weisen deutlich höhere Wasserstände auf.

Wir sind gestern erst bei naher Dunkelheit hier am Burntcoat Head eingetroffen, weil wir durch Pugwash gefahren sind. Das war nicht wirklich geplant, aber als ich es las, klingelte A.E.Johann in meinem Kopf. Hier hatte in den 50-iger Jahren doch irgendeine Friedenskonferenz stattgefunden, hatte ich bei ihm beeindruckt gelesen – unbemerkt von allen Geschichtsbüchern. Wir suchten in dem Ort lange nach irgendeinem Hinweis darauf. Freundlicherweise ist Pugwash ein winziger Fleck.
Schließlich fanden wir „Thinkers‘ Lodge“. Das musste es sein. Eine Tafel verwies dann auf jene Konferenz von Wissenschaftlern von beiden Seiten des Eisernen Vorhangs, die hier 1957 zusammentrafen, um über die Gefahren der Nuklearwaffen, ihrer Abrüstung und der Verantwortung, die Wissenschaftler für deren vernichtenden Einsatz tragen, zu sprechen.
Das Ergebnis war das Russell-Einstein-Manifest, das die tödlichen Konsequenz eines Nuklearkrieges darstellte.
Mehr nicht? – Nein, mehr nicht. Aber es war ein Anfang. Ost und West redete in der Hochzeit des Kalten Krieges miteinander, und zumindest jene Wissenschaftlicher lernten, einander zu vertrauen, Vertrauen zwischen Ost oder West zu finden, egal, was deren machtgierige Politiker über den anderen sagten und als Wahrheit verkauften.
Hier in dieser Thinkers‘ Lodge wurde 1957, als Ost und West mit allen Säbeln und Waffen rasselten, sich bedrohte, sich hasste, sich gegenseitig Angst einjagte, sich darin gefiel, Gründe für Misstrauen und neuerliche Aufrüstung zu finden, der Grundstein für eine weltweite nukleare Abrüstung gelegt!
Und das ist etwas!
Wir liefen auf dem Gelände herum, filmten, fotografierten, was natürlich in einem solch winzigen Ort nicht unbemerkt bleibt. Ein Auto kam, eine Dame freute sich über unseren Besuch und gab uns eine private Führung.
Initiator und Vordenker dieser Konferenz war der Industrielle Cyrus Eaton, dessen Geburtsstadt Pugwash war. Die Medaille seines Friedens-Nobel-Preises hängt in seinem Arbeitszimmer (ich habe noch nie vorher das Original eines Friedensnobelpreises gesehen, die Medaille ist überraschend klein), denn diese Konferenz blieb keine Eintagsfliege. Seit 50 Jahren werden Folgekonferenzen abgehalten. Nicht in Pugwash, aber alle heißen sie so, erfuhren wir: Indien-Pugwash, Bangladesch-Pugwash, Paris-Pugwash, London-Pugwash….
Die nächste findet am 30.September 2017 statt, und diesmal tatsächlich wieder in Pugwash. Thema: Klimawandel. Und nein, Donald Trump ist nicht eingeladen. Und ich bin sicher, dass auch diesmal kaum etwas darüber in der weltweiten Presse zu lesen sein wird. Warum das so ist, weiß ich nicht.

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