Campground Hay Lake in den Nord-West Territories

Campground Hay Lake in den Nord-West Territories
und weiter Richtung Tundra…

Von Fort Nelson aus, wo wir Wasser, Diesel und Propangas für einen Abstecher in die NorthWest Territories tanken können, geht’s über den Highway 77 wieder in Richtung Norden, jedoch weiter östlich. Mit den GPS Daten kann man auf google Maps sicherlich auch den kleinen See, Hay Lake, finden, an dem der unbewachte und kostenfreie Campground liegt.

Ein Ort fast absoluter Stille, kein Windhauch, kein Straßenlärm und keine laute Musik aus Campingwagen. Super und sehr schön, wenn nicht, ja, wenn es nicht so viele Mücken geben würde.

Am frühen Morgen, wieder wurde die Zeit um eine Stunde vorgestellt, kommen vier Indigenous   People, Angehörige der First Nation Community – also vom Indianerstamm hier -, die sich um den Platz kümmern. Fröhliche und freundliche Gastgeber, die sich freuen, Gäste aus Deutschland auf ihrem Campground zu haben. In einem Schuppen ist gutes Brennholz für ein Lagerfeuer gestapelt, und ein großer Wassertank hilft über Wassermangel hinweg. Gottseidank haben wir unseren Wassertank plus Reserven in 10- und Vierliter-Behältern in Fort Nelson gefüllt.

Die vielen Mücken haben ein Lagerfeuer leider nicht zugelassen. Renate hat auch auf Mücken eine große Anziehungskraft 😷 !

Die Fünf warnen uns vor Bären, die es hier im angrenzenden Wald gibt. Schon wegen der stechwütigen Mücken müssen wir leider im Wagen sitzenbleiben…jetzt erst recht. Also weiter die Stille genießen; die Sonne strahlt von einem tiefblauen Himmel auf den Lake und das Wohnmobil ist nach der sehr kühlen Nacht, schnell auf über 25 Grad aufgeheizt.

Weiter geht’s auf der Gravelroad, dem Liard Trail, erst in Richtung Nordost und später östlich nach Kasika, zum Great Slave Lake, nach Hay River. Fernab der üblichen Touristenrouten kommen wir tiefer und tiefer in die Wilderness, der Wildnis, des einsamen, fast menschenleeren Nordens von Kanada.

Die Staubwolken der Gravelroad sind schon echt nervig, jedoch ist der Untergrund der „Splitstrasse“ sehr eben, ohne tiefe Schlaglöcher, wie wir es auch schon erlebt haben. Wenn die Sonne abends tief steht und voll ins Gesicht blendet, ist Abstandhalten zwischen unseren beiden Wagen geboten.

Wir bewältigen mit Tempo 50 im Schnitt dennoch 322 km. Die Gravelroad endet vorerst an der T-Junction Mackenzie- HWY. In Richtung Kakisa und Enterprise werden wir rund 100 km mit einer schnurgeraden Paved Road (Asphaltstraße) verwöhnt, weitere 80 km bis zum Etappenziel am Sambaa Deh Campground ist es wieder eine Gravel Road mit ziemlich vielen, sehr staubigen Abschnitten.

Am Ende dieser anspruchsvollen Etappe finden wir den am gleichnamigen Wasserfall gelegenen Sambaa Deh Campground: Wunderbar mit hervorragenden Duschen. Auch die Wanderwege, trails, sind ein Genuss in dieser Wildnis. Der hier lebende Schwarzbär kreuzt nicht unsere Wege bei unseren kurzen Wanderungen am River Trout, sein Revier liegt abseits von den Trails…so der Campground Officer…naja, dennoch ist Vorsicht geboten.

Die Fülle der Erlebnisse in dieser unendlich weiten Natur erfüllt uns mit Dankbarkeit. Unfassbar ist für uns, als wir auch hier wieder eine Herde von Waldbisons am Straßenrand sehen, dass es Menschen gab, die vor nur 120 Jahren 165 000 dieser Waldbisons in nur 27 Jahren getötet und damit ausgerottet haben. Weitere 100 Jahre früher wurden die Prärie-Bisons im mittleren Westen der USA auch massenweise, millionenfach sogar, abgeschlachtet und fast ausgerottet. Seit 2007 werden Waldbisons aus Zoobeständen wieder gezielt in die Natur integriert und vermehren sich redlich. Durch Krankheiten sind auch Rückschläge im Wachstum der Population zu verkraften gewesen.

Gut, dass der kanadische Staat sowohl die großen Naturschutzparks pflegt und unterhält als auch den Artenschutz besonders pflegt. Weltweit werden jeden Tag noch zig Tier- und Pflanzenarten ausgerottet.

Solch eine Reise in die noch fast unberührten nicht zersiedelten Gebiete schärft unser Bewusstsein. Wir sind nicht blind und sehen auch die Auswirkungen der Öl- und Gasgewinnung hier hoch im Norden des amerikanischen Kontinents.

Der nächtliche Regen hat die Gravelroad streckenweise in eine schmierige braune und glitschige Schlammschicht verwandelt. Kurzum, unsere Autos bekommen ein neues Outlook, die Fahrräder auf den Gepäckträgern sehen erschreckend aus, nur nach einem Vollbad könnten wir sie wieder verwenden. Auf den letzten hundert Kilometern wird der dicke Schlamm am Wagen durch den Regen fast vollständig abgespült, auch die Radkästen werden wieder ansehnlicher…nur unsere Räder…oh Schreck lass nach…das wird noch eine besondere Herausforderung…aber, als wenn es nichts Schlimmeres gäbe! Jammern auf hohem Niveau nicht erlaubt!

Northwest Territories
Wieder fast am Ende der Welt …
GPS 60Grad 51’ 58“ Nord
115Grad 45’ 28“ W
Hay River am Great Slave Lake

Wir wollen erfahren, wo die Tundra beginnt. Je mehr wir uns dem Great Slave Lake nähern, desto niedriger wird der Baumwuchs. Das Land ist weitläufig und flach. Der riesige Great Slave Lake hat für uns das Besondere, dass er ein großes Binnenmeer ist – nur der Horizont begrenzt den Blick -und dass er in den Northwest  Territories liegt. Vor Monaten bei der Reisevorbereitung konnten wir uns beim ersten Blick auf die Straßenkarten nicht vorstellen, in diese abgelegene Einöde vorzudringen. Nach 330 km vom letzten Campground über schlammbedeckte Cravelroads erreichen wir dieses Ziel, den Ort Hay River. Wir finden wieder einen freien großen Platz direkt an der Beach, bedeckt mit Treibgut aus Baumstämmen. Verkohlte Äste und Stämme weisen darauf hin, dass es auch Reste von Waldbränden sind.

Wir erleben wieder einen Sonnenuntergang der feinsten Art, eigentlich haben wir sowohl was Lakes als auch was Abendstimmungen anbetrifft, solche Momente zigfach erlebt. Dennoch, es ist immer wieder faszinierend, kein Sonnenuntergang gleicht dem anderen. Den Zeitverlauf kann man dabei immer wieder bewusst wahrnehmen und vieles andere auch. Und man kann dabei auftanken, die Gedanken oder besser die Gefühle fließen lassen.

Amateurfunk: Das Cluster DXHeat zeigt, dass die Bänder tot sind.

P.S. in den CBC Nachrichten höre ich, dass die Waldbrände in British Columbia südlich von Prince George City immer noch nicht unter Kontrolle sind; im Gegenteil, sie haben sich auf über 500 000 Hektar ausgedehnt, große Hitze und Blitze fördern die Brandherde. Die Polizei spricht von den größten Bränden, die es je in BC gegeben habe. Und ein Ende der Augusthitze ist dort nicht erkennbar.

Wir werden diese Gebiete weiträumig meiden und von den NorthWest Territories direkt nach Edmonton in Alberta weiterfahren. In den deutschen Nachrichten ist dieses Thema ausgelutscht. Dafür mal wieder die typischen Sommertheater: wie „Eier- und Dieselskandal“! Die Eier könnte man doch jetzt gut als Wurfgeschosse verwenden..?

Etwas lächerlich aus der großen Distanz, als wenn es keine „beißenden Hunde oder Politikerskandale“ mehr gibt, auf die sich die Presse nach dem Motto „Bad News are Good News“ stürzen könnte.

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