Die Happy Valley Goose Bay/Labrador

Die Happy Valley Goose Bay/Labrador 25. – 27. August 2017

Dieser Bericht beschreibt nur kurz unseren Reiseverlauf. Da ich an diesem Standort endlich mal meinem Hobby als Funker nachgehen kann, hat dieses Thema einen Schwerpunkt in diesem Blog.
Ich bitte um Verständnis bei den Lesern, die nicht unser schönes Hobby  mit uns teilen!

Zum Reiseverlauf :
Wir sind hier geradezu schwebend über eine 555 km lange, fast neue  Asphaltstraße von Labrador City hierher nach Happy Valley Goose Bay gekommen. Eine richtige Erholung nach den vielen Gravelroads mit Schlaglöchern zuvor.

Unser Besuch mit einer guten Führung im unterirdischen Wasserkraftwerk „ Churchill Falls“ hat uns begeistert. Der Fluß heißt Churchill River und ist vor dem großen Wasserfall unterirdisch zu diesem tief unter der Erde sich befindlichen Kraftwerk mit 11 Generatoren umgeleitet worden. Fast 6 Millionen Kilowattstunden werden hier erzeugt.
Deshalb ist der Wasserfall „ Churchill Falls“ fast ausgetrocknet, vor allem in dieser Jahreszeit. Das Wasser wird hinter dem Kraftwerk wieder in den Fluß eingespeist. Die ganze Geschichte zu erzählen ist mir momentan Zuviel, denn wir stehen an einem kleinen See mit für uns Funkern hervorragenden Antennenstandorten.

Renate ist froh, dass sie jetzt etwas Zeit hat, um ihre Aufnahmen für ihre Filme vorzusortieren und zu bearbeiten …und ich, dass ich meinem Hobby nachgehen kann.

Später zeigt sie mir den vierten Film über unser Quebec-Durchfahrt im  Mai. Es kommt mir so vor, als wäre es Jahre her, dass wir dort waren.

Am Freitag haben wir noch Buchungsprobleme für unsere Kabinen für unsere fünftägige Seereise zu den Aboriginaldörfern im Norden Labradors sowie Details für die Reise klären können. Unsere Autos werden während der Reise professionell bewacht.

In einem Waschzentrum, Laundromat, konnten wir die Berge unserer Wäsche waschen. By the way: Die Qualität der hiesigen Waschmaschinen ist geradezu katastrophal, die Wäsche kommt eigentlich schmutziger raus als sie vorher war.

Warum, mein lieber Dieter, DK4QT, hast Du als hochrangiges Mitglied im Miele-Management in Deiner Mielezeit den nordamerikanischen Markt nicht vollständig unter Kontrolle gebracht…? Wir und viele andere von Euch verwöhnten Nutzer Eurer Waschmaschinen und Trockner würden Dir jetzt immer wieder „Käsekuchen mit Sahne“ spendieren, wie ich es bei unserem letzten Treffen auf Madeira mit Freuden getan habe.
Naja…zuhause müssen wir dann alle Waschgänge gründlich wiederholen.  Da stehen Eure Erfolgsprodukte…und laufen, und laufen und so weiter!

So, ich habe noch bei trockenem Wetter meinen Antennenmast am Geländer eines direkt am Wasser stehenden Podestes mit Spannbändern befestigt. Am Einspeisepunkt befindet sich wieder der automatische JC4-Tuner, der sich bei mir nun bestens für alle KW-Bänder bewährt hat.
Die ersten Hörversuche bringen die ersten Signale aus Europa auf 40, 30 und 20 m. Ein Anruf auf eine Station aus Ungarn wurde sofort bestätigt. Das läßt ja hoffen…also starte ich einen „allgemeinen Anruf, cq auf 14 022 kHz und schon kann es losgehen.

Über Whatsap, emails und Facebook habe ich meine Funkerfreunde „ alarmiert“ und sie kamen tatsächlich. Einige hatten mich in den vergangenen vier Monaten immer wieder gefragt, wann ich denn mal endlich in der Luft sei, wie wir das nennen.

Es klappt besser, als ich bei den immer noch miserablen Funk-Ausbreitungsbedingungen erwartet hatte. Also baue ich die Station komplett auf, d.h. mit einem 10“-Zusatzmonitor für die Bedienung der verschiedenen Programme. Auch mein Kilowattendverstärker, die Expert 1,3 K, nehme ich aus dem Schrank und schließe sie an.

Meinen kleinen 1000 Watt-Honda-Generator findet einen Platz unter der Treppe zum Podest. Geschützter Standort und man hört ihn nur, wenn man direkt davor steht…da kann keiner meckern…! Zwei gefüllte 5-Liter-Kanister sorgen dafür, dass dieses Wochenende kein Strom ausfällt. Die Solarzellen auf dem Dach laden recht gut, wenn die Sonne scheint..aber jetzt ist es bewölkt und es regnet in Bindfäden. Also das richtige Wetter für unsere Hobbys aber nicht für das Laden der Batterien.

Das Marketing meines Funkbetriebs über die genannten Internetmedien und den Funkerwebseiten, auf denen der weltweite Funkverkehr – wie in einem Presseticker – für die aktiven Funker angezeigt wird, funktioniert bestens. Dank an die Funker, die mich gespottet haben.
Jeder von uns hat ein individuelles Rufzeichen, so dass man seine Freunde auch über Suchroutinen finden kann.

Na, da habe ich nicht schlecht gestaunt, als dann mein Funkfreund Kolja, mit Rufzeichen DK5KK aus Essen, nach Mitternacht mich entdeckt hatte. Es hat super geklappt.

Was mich besonders dabei gefreut hat, ist, dass er unsere moderne  Clubstation in Essen nutzt, die wir für die Fernsteuerung ( Remotebetrieb ) für unsere Mitglieder eingerichtet haben, damit sie diese auch von zuhause aus fernbedienen können.
Technologisch ist es momentan das modernste System, was es auf dem Weltmarkt für Funkgeräte gibt. Na, darauf können wir in unserem Club zurecht stolz sein! Und sind vor allem unseren privaten und geschäftlichen (Sparkasse Essen, Flexradio USA) Sponsoren dankbar.

Natürlich gibt es bei solch einer komplexen Technik immer wieder Probleme, oder besser gesagt, Herausforderungen. Damit meine ich meine Anlage hier.

Der Generator müßte vernünftiger Weise geerdet, also mit einem langen Erdspieß im Erdreich verankert und mit dickem Kupferkabel verbunden sein. Am besten ist es, wenn auch die Station darüber an gleicher Stelle geerdet wird. Dazu habe ich leider das Material zuhause gelassen…shit.

Es geht ja auch ohne…meistens. Aber, sobald ich größere Leistung als 300 Watt in die Antenne schicke, steigt der Generator aus, unterbricht kurz seinen Lauf…alles nicht schlimm, aber die Station steigt aus und alles muß neu gestartet werden. Im Funkbetrieb schon ärgerlich, also begrenze ich die Leistung auf knapp 300 Watt und alles läuft bestens.

Heute hatte ich schon viele auch langjährige Freunde auf dem Band getroffen. Wir Funker bilden ja eine weltweite Gemeinschaft. Ich kenne davon auf Grund meiner vielen Reisen und Lizenzdauer (seit 1961 habe ich das Rufzeichen DJ7JC) inzwischen und eine große Anzahl persönlich und bin froh, wenn ich mich in der Funkverbindung an den Vornamen erinnere…!

Für die nicht mit unserem Hobby vertrauten Leser nur der Hinweis, dass wir viele verschiedene Kommunikationsarten verwenden. Sprechfunk kennt und kann ja jeder. Die alte Fernschreiberei wird heute elektronisch erzeugt.
Ich gehöre zu der Gruppe der Telegrafisten, die die Morsezeichen aus Spaß an der Freude immer noch verwenden.
Das ist purer Sport und Gehirnakrobatik. Bilde mir ein, dass meine grauen Gehirnzellen deshalb nicht zu schnell ergrauen. Um Klartext zu verstehen, muß man schon viel üben, üben…üben..!

Es gibt wie in jeder Sportart dazu Wettbewerbe, wo es um Landes- oder Weltsieger geht.

Es gibt sogar auch eine „Funk-Olympiade“, die alle vier Jahre in einem anderen Land stattfinded. Nächstes Jahr kämpfen die besten Funker der Welt um Gold, Silber oder Bronze in Deutschland. Um zugelassen zu werden, müssen die Bewerber sich in den vielen internationalen Wettbewerben für die Olympiade in den Jahren vorher qualifiziert haben.

Nun zurück zu meiner Aktivität:

Am Samstag will ich ab 17:00 Uhr aktiv sein. Freitag hat es in der Zeit bis 21:00 Uhr hier am besten nach EU geklappt. Aber es geht erstaunlicherweise schon viel früher.

Es regnet unaufhörlich, ich hoffe, dass der Sprit im Generator noch etwas vorhält.

Nee, hat er nicht…aber jetzt ist er wieder voll getankt. Ich hatte gerade Tom, DL1QW aus Castrop-Rauxel, auf 20 m. Gottseidank hat der Regen eine Pause eingelegt und wir konnten das QSO gut abwickeln und loggen.

Auf meine CQ Rufe antworten viele, doch die Signale sind so schwach, dass ich sie kaum richtig identifizieren kann. Die Conteststationen haben starke Signale hier, also liegt es nicht an meinem Radio.

Am Samstagabend rufen mich alte Freunde an. Es geht leidlich, richtig Spaß macht es nicht, da ich doch fast jeden Anrufer um Wiederholung seines Calls bitten muß.

Vielleicht verbessern sich die Signale doch noch.

Mit Rick, VO1SA, aus St. John’s in Neufundland, hatte ich ein schönes Telegrafie CW-Qso. Er gibt mir seine Telefonnummer durch, damit wir uns für einen Besuch verabreden können.

Gerrit, DG4AM, hat seine eMail Adresse dankenswerter Weise gefunden. Rick hat uns zu sich eingeladen. Ich habe schon eine Reihe QSOs in den früheren Jahren mit ihm gehabt. Auch werden wir seine Adresse nutzen, um die Wahlunterlagen für die Briefwahl dorthin schicken zu lassen.

Einige Stationen aus Deutschland kommen schon stärker durch. Die dicken Conteststationen bringen immer noch bessere Signale.

Funkfreund Kolja, DK5KK, der am Contest teilnimmt, ist mit unserer Clubstation aktiv. Aber auch das Signal ist doch deutlich schwächer als am Vortag.

Auch Gerrit, DG4AM, schreibt mir über Whatsap, dass mein Signal auf TwenteWebSDR einige S-Stufen leiser als am Freitag sei..also wieder eine schlechtere Sonnenaktivität.

Am Sonntagmorgen um 06:00 Uhr sind hier die Bänder noch wie tot, nur ein Station aus Ungarn, HA, ruft unermüdlich CQ und gibt schließlich auf.

Im Cluster und über das Revers Beacon Network (RBN) kann man mich finden…wenn die Bedingungen es zulassen.

Wir befinden uns im Minimum der Sonnenfleckenaktivitäten, die sich in einem elfjährigen Rhythmus auf der Sonne entwickeln. Durch die Eruptionen auf der Sonne werden Schichten in der oberen Atmosphäre elektrisch geladen, die dann unsere Kurzwellensignale, wie ein Spiegel das Taschenlampenlicht, reflektieren. Unsere Sendersignale hopsen dann um die Welt. Damit öffnet sich diese für unser Hobby eine sehr faszinierende Welt. Wir müssen die verschiedenen Zeitfenster dieser Öffnungen nutzen, um mit unseren kleinen Stationen gute, weltweite Funkverbindungen herstellen zu können.

Das ist für mich nach so vielen Jahren immer noch spannend.

Diese Webseite zeigt ja auch, wie „verrückt“ man sein muss, um durch die ganze Welt zu fliegen, um von den entlegensten Orten oder Inseln aus mit seinen Funkerfreunden zu funken.
Naja, auch in diesem Sport, und das ist eine wichtige Seite dieses Hobbys, geht es um Ehre, Trophäen, Teamgeist und auch um Optimierung der eigenen Erfahrungen.

Am Sonntagabend werde ich die Antenne und Station wieder abbauen, um dann für die am Montag beginnende Seereise den Rucksack zu packen.

Wir grüßen uns mit
Vy 73 = viele Grüße
(Wir verwenden für den Morse-Funkverkehr Abkürzungen, mit denen wir sprachunabhängig mit jedem Funker dieser Welt kommunizieren können.)

Norbert
VO2/DJ7JC

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