Fort Nelson

01.-02. August 2017
In Whitehorse sind wir am späten Nachmittag angekommen.

Klondike River

Klondike River

Wir erledigen unsere Camper Duties: Diesel- und Wasser tanken, Kühlschrank füllen, Wäsche waschen.
Noch einmal stehen wir direkt am berühmten und berüchtigten Klondike River, der einzigen Möglichkeit vor 120 Jahren mit Kanus zu den Goldminen im  Norden nach Dawson City zu kommen.

Pünktlich um 09:00 Uhr geht’s am nächsten Morgen in Richtung Watson Lake. Der Alaska Highway ist bis auf wenige Baustellen bei geringem Verkehr gut zu benutzen.
Die 480 km schaffen wir spielend. In Watson Lake entdecken wir den „Sign Forest“, den wohl in der Welt bekanntesten Schilderwald. Für mich war es eine neue Erfahrung. An hohen Kanthölzern, ca. 3-4 m, haben tausende von Touristen ihre Orts-, Straßen-, Namens-, Auto-Schilder o.ä. geschraubt. Diese wurden offensichtlich von den Touristen zu Hause hierfür vorbereitet. Meine Fotos sprechen eine deutliche Sprache. Wir machen uns auf die Suche nach unseren Heimatschildern. Renate findet Mettmann, dem früheren Lebensort ihrer Familie, und ich finde Essen mit dem Aufkleber Essen-Carnap!

Später finden wir unsere Schlafplätze an dem Hyland River. Auf einmal kommt ein dickes, dunkleres Tier hochgekraxelt. Ich behaupte, es sei ein Biber…aber ein Biber der so lange an Land frische Sträucher und Gräser frisst, das kann ja wohl nicht sein. Mein schlaues Flora- und Fauna-Buch klärt uns auf: es ist ein Woodchuck. Dieses massige, etwas watschelnde Tier haben wir leider schon mehrfach tot am Straßenrand entdeckt…Bieber am Straßenrand? Kann ja nicht sein. Später, wenn wir wieder einmal ins Internet kommen, suche ich den deutschen Namen.

Kurz nach dem letzten Schlafstandort überqueren wir die Provinzgrenze zwischen dem Yukon und British Columbia. Nach wenigen Kilometern stoppen einige Camper am Straßenrand, und wir erkennen schnell denn Grund dafür: ein kräftiger Schwarzbär grast am Straßenrand und stört sich nicht an den stoppenden Autos. Wenige Kilometer weiter stoppen wir wieder für einen anderen ebenso schönen Schwarzbären.

Gestern wurden die Autofahrer per Leuchtschrift auf einer riesigen Tafel vor Bisons gewarnt. Bisons! Im Wald und zwischen hohen Bergen Bisons! So wirklich ernst konnten wir das nicht nehmen.

Heute finden wir auf einer Rest Area eine Hinweistafel, dass hier Ende des 19. Jahrhunderts  (1880) etwa 165000 Waldbisons gelebt haben. 1907 wurde der letzte von ihnen abgeschossen. Erst 1995 wilderte man 49 Tiere wieder aus. Bis 2007 war ihre Population auf 100 gestiegen.

100 Bisons. Bei diesen riesigen Waldflächen hätten wir niemals erwartet, welche zu sehen.

Jedoch Überraschung:
Erst ein einsamer Bulle, der die Straße überquert und ein paar hundert Meter weiter eine Herde mit Jungtieren, Bullen und Muttertieren. Auch die scheren sich nicht um die neugierigen Touristen und geben ein Bild ab, wie wir es von unseren Milchkühen her kennen, grasende und wiederkäuende Tiere. 15 dieser Tiere werden jedes Jahr durch Kollisionen mit Fahrzeugen auf dem Highway getötet, steht auf der Informationstafel, und deshalb sei große Vorsicht geboten.

Wir erlauben uns einen längeren Aufenthalt in dem Liard-Hot-Spring-Park ….und genießen das heiße, etwas schwefelhaltige Quellwasser. Relaxen, lassen uns auf einem Baumstamm treiben und faulenzen. Windstill, blauer Himmel und um die 24 Grad in einer wunderschönen Umgebung. Manchmal vergessen wir vor lauter Kilometerfresserei, dass wir alle Zeit dieser Welt auch für uns nutzen dürfen.

Weiter geht’s, auf zum Summit dieser Bergkette auf 1385 m, noch 260 km bis dorthin. Aber, so wunderbar wie der Tag begann, so will er auch enden. Wir schaffen den Berggipfel nicht. Erst hält uns der 13 km-lange Muncho-Lake mit seiner türkisen Farbe von der schnellen Weiterfahrt ab und dann begegnen uns in nächster Nähe nacheinander zwei Caribous, eine hier in Canada und Alaska vorkommende Rentierart.

Zwar haben wir nur 265 km geschafft, jedoch erleben wir die höchste Anzahl an Großtieren, die wir bisher an einem Tag sehen konnten :

Zwei prächtige Schwarzbären, ein im Busch rasch verschwindender Braunbär, dann die Wood Bisons in einer Herde mit geschätzt 30 Tieren und zum Abschluss dieses Tages noch zwei Caribous. Und am Abend zuvor der Woodchuck.

Atemberaubend- breathtaking, unglaublich- unbelievable!

Um 20:00 Uhr sind es noch 22 Grad, selten haben wir in den letzten Wochen um diese Zeit noch solch hohe Temperaturen in Alaska oder im Norden von Kanada genießen können. Valdez liegt nun schon 1860 km  hinter uns. Nordamerika ist riesig und unendliche, scheinbar unberührte Weiten, soweit das Auge reicht: Wälder…Wälder.

Wir kommen auf unserer weiteren Fahrt zum Summit des Highways, 1279 m zeigt mein IPhone GPS. Der gehört schon zum Stone Mountain Natural Park. Ein trauriges Bild verfallende Motels, nicht nur hier, sondern immer wieder auf der Strecke, geben die aufgegebenen Motels ab.

Herzliche Grüße aus Fort Nelson
Norbert
VE6/Dj7jc

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