Rest Area im Savary Provincial Park an der St Mary’s Bay

Rest Area im Savary Provincial Park an der St Mary’s Bay

Vor knapp sechs Monaten sind wir in Halifax bei Regen und Kälte angekommen. Nun zeigt sich ein „Goldener Oktober“ von der schönsten Seite. Die Tage sind deutlich kürzer geworden und nachts sinken die Temperaturen schon gegen Null, doch haben wir großes Glück mit dem Wetter. Klarer, blauer Himmel und mittags/ nachmittags haben wir gefühlt um die 25 Grad…im Windschatten, versteht sich.

Seit meinem letzten Blog haben wir die Stadt Lunenburg an der Südküste von Nova Scotia besucht und uns auf die Spuren der deutschen Siedler begeben. Rund 14 000 Deutsche sind 1753 aus Halifax von den Engländern hierher deportiert worden, um nach Halifax eine zweite Stadt in den Urwald zu schlagen. Das ist mit deutscher Gründlichkeit gelungen. Nur die Engländer/ jetzt die Kanadier schreiben sich das auf ihr eigenes Konto und wird in den Informationsschriften und -tafeln fein säuberlich und offensichtlich unerwähnt. Die Geschichte Lunenburgs beginnt schlicht erst im 19. Jahrhundert. Dabei gibt es genügend Dokumente in den Archiven und den Kirchen darüber.

Renate ist stinksauer, denn ihre eigenen guten Quellen belegen die Leistungen der deutschen Siedler. Recherchen auf zwei Friedhöfen zeigen denn auch erst Bestattungen ab dem 19. Jahrhundert. Nur soviel an dieser Stelle zur Geschichtsfälschung durch die Vasallen des großen Empire.

Und mir kommt ein fürchterlicher Gedanke, dass der nicht verarbeitete Verlust des einst großen Empires und Commonwealth auch zu der momentanen Brexit-Situation geführt hat. Wie es so schön in der internationalen Presse heißt, sind Theresa Mays Tage angezählt…und dann ? Sie hat kein Konzept für ihren „harten Brexit“, und das Land verfällt in ein wirtschaftliches Chaos. Was auch für unsere Wirtschaft, vor allem der Automobilindustrie, dramatische Folgen haben wird.

Aber wir machen ja Urlaub, haben den Abstand zu all dem Geschehen in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt. Dennoch eine Bemerkung: Gestern trafen wir bei unserer Radtour am Mersey River im Kejimkujik Nationalpark zwei nette Amerikaner aus Long Island, NY. Nach den üblichen Fragen zu unserer Verschiffung der beiden Wohnmobile, den Kosten usw, (die wir täglich manchmal mehrfach gestellt bekommen) kam dann das Gespräch auf die letzten Ereignisse in Las Vegas mit 59 Toten und über 500 Verletzten. An dieser Stelle bin ich sehr allergisch, und als ich mit Unverständnis die US-Politik und den Einfluss der Waffenlobby erwähnte, dann noch ergänzte, dass jährlich im Schnitt 30 000 Menschen in den USA durch diese Schusswaffen getötet werden, wurden diese beiden netten Menschen tatsächlich blass. Dass ihr Amerika so gesehen würde, war für sie unfassbar.

Noch eine Ergänzung dazu: In Australien wurde 1996 nach einem Massaker, bei dem 35 Erwachsene und Kinder getötet wurden, die eine Sträflingsinsel bei Tasmanien besuchten, ganz strenge Waffengesetze erlassen. In dieser Woche haben die Australier bis Freitag Gelegenheit, ihre im illegalen Besitz noch befindlichen Waffen abzugeben, um unter eine Amnestie zu fallen. Seit 1996 hat es in Australien keine Amokläufe mit Pistolen oder Schnellfeuergewehren gegeben! Ein Kommentator schrieb dazu, dass in den USA offensichtlich noch ein Bürgerkrieg stattfindet. Die Gesellschaft dort ist wirklich gespalten.

Wieder zurück zu unserem Urlaub: wir machen wirklich jetzt mal Erholungs-Urlaub.
Rad-, Kanu- und Kutsch- Touren und auch Spaziergänge und einfach an schönen Stellen verweilen und den Moment genießen…

Die Natur verwandelt sich geradezu in ein farbiges Bilderbuch, das wir fast nur mit unseren Augen und Herzen in uns aufnehmen können. Die Kameras geben nur einen fast schon unwirklichen Moment wieder. Das kennt ja jeder, jetzt es so life zu erleben, ist ein großes Geschenk für uns. Traumhafte Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge begleiten uns, der Vollmond und die sternenklaren Nächte vermitteln ein Gefühl der Romantik…wie schön ist doch eigentlich unsere Welt und wie brutal und rücksichtslos gehen wir damit immer noch um!

Die Fotoserie hier zeigt ein paar Einblicke über unsere letzten Stationen in Nova Scotia.

By the Way: Wir, besser gesagt unsere Wohnmobile, haben jetzt schon 32 000 km in 590 Fahrstunden seit dem 1. Mai auf unseren Tachos. Not bad, wie man hier so schön sagt.

Renate hat unendlich viel Bildmaterial im „Kasten“ und schon einige Videos fertig geschnitten und vertont. Jeden Abend dokumentiert sie unsere Stationen und führt akribisch eine Statistik.

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