Fogo-Island>Argentia>St. John’s

Es wird herbstlich, Regen, frische und bisweilen heftige Böen schütteln unsere Wagen. Auf Fogo – Island erklimmen wir den höchsten Punkt auf den mit Blaubeeren überwucherten Felsen. Der Regen macht für uns eine Pause, der Blick in die Weite wird nicht von Nebelschwaden und tiefhängenden Wolken getrübt.

Irgendwie hat diese kleine Insel etwas Besonderes, schmucke Häuser mit gepflegten Anlagen und ohne Autowracks in den Gärten. Bevor wir zur Fähre fahren, machen wir eine kleine Inselrundreise. Das Bild wiederholt sich, dazu kommen kleine Häfen mit Fischerbooten und natürlich gibt es Lagerhallen und gewerbliche Betriebe.

Wir nehmen an, da sich die Straßen in einem ebenso wunderbaren Zustand befinden wie die öffentlichen Einrichtungen, dass hier – ähnlich wie auf Sylt – die „Reichen und Schönen“ ihre Ferienhäuser stehen haben und die Community mit Spenden und Steuern beglücken. Nach großartigem Tourismus sieht es nicht aus. Unser Campground ist alt und die Facilities dürften mal renoviert werden. Es ist zwar alles sauber und gepflegt, jedoch schon sehr alt und mit einfachen Baumaterialien gebaut.

Wir können die Frage nicht endgültig beantworten und begeben uns auf den Weg Richtung Osten an der Küstenstraße entlang.

In Sunnyside, einem kleinen Örtchen an der Bull Bay, finden wir direkt vor der Plattform eines Viewpoints unsere Stellplätze für die Nacht. Die Informationstafeln zeigen den Bau einer gigantischen Ölplattform, die in dieser Bucht zusammengebaut und dann als Off-Shore Ölplattform jetzt Öl aus den Tiefen pumpt. Idealer Standort für meine Antenne, aber es stürmt und regnet so stark, dass ich keine Antenne aufbaue. Dann schaue ich mir die Ausbreitungen für die Kurzwelle an und sehe, dass kein Kurzwellen-Funk möglich ist. Gottseidank, denke ich, das wäre eine weitere Enttäuschung während meiner zahllosen Versuche hier in Kanada und Alaska, Funkbetrieb zu machen, gewesen.

Wir entscheiden uns, direkt nach Argentia zu fahren. Von dort geht die Fähre Richtung North-Sydney, Nova Scotia, um unsere Tickets zu buchen. Wir versuchen das Ticketbüro zu finden, geschlossen…Donnerstag geht’s erst wieder. Telefonisch über ein Callcenter klappt auch nicht, Warteschleife…der stets gleiche Ärger.

Renate schlägt vor, zu einem nahegelegenen Campground zu fahren, um dort das Wifi anzuzapfen. Und das klappt! Die Buchung übers Internet mit all den Problemen, wie die Verweigerung unsere deutsche Adresse oder deutsche Telefonnummern anzunehmen, bekommen wir dann doch noch hin. Geschafft! Denn die Fähren sind schnell ausgebucht, wir haben wohl Glück, dass die Feriensaison vorbei ist. Informationszentren sind schon wieder geschlossen, auch der riesige Campground hat nur drei Camper als Gäste.

Unsere Mittagspause machen wir an einem schönen Lookout, selbst die Sonne beschert uns einen wunderbaren Ausblick. Unsere Stimmung verbessert sich auch mit der erfolgreichen Buchung augenblicklich, so lieben wir unser Kanada!

Wir fahren in die Hauptstadt von Labrador/Neufundland, nach St. John’s und steuern das Postamt an, an das unsere Wahlbüros unsere Briefwahlunterlagen postlagernd schicken sollen. Ich hatte es schon so erwartet: Nichts ist angekommen…! wir sollen mal beim Hauptpostamt telefonisch nachfragen, ist der Rat der hilflosen Schalterdame. Noch geben wir nicht auf, mal sehen, was dabei herrauskommt.

Noch ist das Wetter trocken und wir steuern als erstes den Signal Hill in St John’s an, von wo aus Marconi 1901 die erste Atlantik-Funkverbindung nach Cornwall in England geschafft hat. Es begrüßt uns der stolze, würdige Carbot-Tower mit einer Inverted V, einem mehrfachen Kurzwellendipol mit Hühnerleiter..! Trotz des leuchtenden Schildes „Open“ kommen wir nicht hinein, also hoffen wir, dass es am Morgen dann klappt.

Der Blick von hier oben ist mal wieder atemberaubend schön, sowohl zum Atlantik als auch zum Hafen und zur Stadt hinunter. Im Hafen liegt die Aida, die wir schon vor ein paar Tagen gesehen hatten. Mit einem lauten Hupkonzert verabschiedet sie sich gerade.

Der große Parkplatz ist ideal für die Nacht, so glauben wir. Nach und nach verschwinden die Besucher, es wird sehr neblig, so dass weder der Hafen noch die tausenden Lichter der Stadt zu sehen sind. Auf den Serpentinen hierauf sehen wir immer wieder Autos herauffahren. Was wollen die hier oben? Was dann kommt, verschlägt uns den Atem. Mit laufenden Motoren und vollem Scheinwerferlicht sitzen Pärchen in den Wagen und bewundern nicht nur die Nebelwände, sondern machen mit vollaufgedrehten Powersoundanlagen einen Höllenlärm und ihre Sexspiele. Das geht so bis kurz vor 02:00 Uhr. Trotz Ohropax dringt der Motor- und Musiklärm immernoch durch.

Diese Unart, ich meine nicht den Autosex, sondern die Motoren während des Parkens durchlaufen zu lassen, erleben wir immer wieder. Selbst ein Polizist in seinem Polizeiwagen, der auf dem Parkplatz vor der Post neben mir stand, verhält sich genauso…wir sind fassungslos.

Der Nebel kommt und geht und wird von einem scheußlichen Regen abgelöst. Ob wir unsere Absicht, den tollen Trail runter zur Küste bewandern zu können, durchführen können, scheint eher unwahrscheinlich zu sein.

Ich habe mich bei Rick, VO1SA, hier in St. John’s angemeldet.

Für die nächsten zwei Tage ist Sonnenschein vorhergesagt…wir lassen uns überraschen!

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