Thunder Bay – Fort Williams

19./20.06. 2017 Thunder Bay – Fort Williams

Locator: EN58HI
GPS:
48.349 Nord
89.354 West

Je weiter wir uns auf dem Trans Canada Highway Nr.11 nach Westen bewegen, desto geringer ist die Besiedlung. In den kleinen Dörfern treffen wir auf die Ursprünge der „First Nation“, so werden die Bevölkerungsgruppen bezeichnet, die wir im Volksmund als Indianerstämme bezeichnen.

Das Kanu, als das entscheidende Transportmittel für Menschen und Handelsgüter, prägt die Geschichte und wirtschaftliche Entwicklung der letzten 300 Jahren. Grundlage ist der Handel mit Pelzen auf den natürlichen Wasserwegen, der oft sehr beschwerlich und gefährlich ist. Um die Stromschnellen und Wasserfälle überwinden zu können, müssen die Kanus entladen und dann über schwieriges Gelände getragen werden, die sogenannten Portagen. Bis zu 40 m und mehr Höhenunterschiede fordern alles. Der Pelzhandel findet zwischen den Indianerstämmen und den Voyageuren statt, die im Gegenzug Güter des weißen Mannes – Decken, Töpfe, Nadeln, Äxte, Messer, Gewehre und natürlich Feuerwasser – mitbrachten.

Im Fort Williams können wir viele Spuren des kanadischen Pelzhandels kennenlernen. Im 1:1 Nachbau kann man hier alles studieren, was zu einem Stützpunkt des Pelzhandels dazugehört:
Der Kanubau aus Birkenrinde, das Handelskontor, die Konservierung der Felle, eine Farm, Großküche für die Versorgung der Pelzhändler, Unterkünfte der Soldaten und Voyageure. Das Gefängnis, mit den Zellen ohne Tageslicht und etwas Stroh, schockt uns ob der damaligen Grausamkeit.

Uns interessiert praktisch alles, insbesondere der Bau der riesigen Kanus aus den von den Baumstämmen abgeschälten Birkenrinden und den verschiedenen Hölzern für den Rumpf. Das größte Kanu hat eine Länge von ca. 12 m, trägt bis zu 12 Voyageure, wiegt 400 kg und kann bis zu 4000 kg Ladung aufnehmen. Die Pelze von Bibern, Bären, Füchsen, Wölfen, Hermelinen, etc. werden gepresst und in genormten, geschnürten Paketen mit 45 lbs/Pounds verpackt. (1 lbs = 2,2 kg) 20,5 kg müssen beim Umtragen der Höhenunterschiede an den Portagen gebuckelt und oft über schlüpfrige Steilhänge geschleppt werden. Dabei trägt jeder Voyager meistens 2 (zwei = 41 kg) dieser Pakete mit Stirn- und Rückengurten. Viele Voyageure haben diese Torturen nicht überlebt.

Das Geschäft floriert vor allem auf Grund der großen Nachfrage nach Pelzen in der dekadenten Upper-class-Gesellschaft in Europa. Wie auch heute sind immer der Profit und der Machtanspruch vorrangig. Der Respekt und die Verantwortung gegenüber Menschen und Natur spielen dabei keine Rolle.

Durch diesen Besuch habe ich vieles gelernt und verstehen gelernt, mit denen sich meine Renate seit über 20 Jahren immer wieder beschäftigt hat. Ich bin gespannt auf ihre Videos!

Wir sind an der Wasserscheide: hier trennen sich die Wege der Flüsse. Von nun geht’s auch für uns in Richtung Arctic zu den Eisbergen, Eisbären, Elchen, Schwarz- und Braunbären, den Wolfsrudeln und zu den Eskimodörfern in Labrador am Hudson Bay. Also keine der üblichen Touri-Routen.

  • Fort Williams in Thunder Bay, Zentrum des Pelzhandelz und des Kanubaus: Bis zu 12 m lang, 400 kg schwer, für bis zu 10 Personen plus 4000 kg Zuladungen. Oft 2000km in den Norden zu den Pelztierjägern und zurück, viele portagen, über die bis zu 40m Höhenunterschiede alles getragen werden musste. Alles für die dekadenten Menschen in Europa. Aber es hat die wirtschaftliche Entwicklung Kanadas nach vorne gebracht...mit unzähligen Opfern und Raubbau an den Beständen der Pelztiere etc.

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