Vom Sankt Lorenzstrom ab in den Norden nach Labrador!

Unser Nachtplatz liegt direkt am Sankt Lorenz Strom, nördlich der Stadt Tadoussac. Der
Sankt Lorenz Strom mündet in den „ Gulf of St Lawrence „ und ist den Gezeiten so ausgesetzt, dass er hier Salzwasser führt.

Na, das wäre doch mal wieder ein Versuch wert, die Antenne aufzubauen und die Bänder zu beleben.

Die Besucher – Plattform mit Bänken und Tischen und mit einer großer Informationstafel eignet sich bestens, um an die Ständer der Tafel meinen Fiberglasmast mit Gurtbändern zu befestigen. In 20 m Entfernung steht ein großer Kreuz aus stählernen Streben (s.a.das Foto). Ideal daran hochzuklettern und meinen Antennendraht hoch daran zu befestigen. Den zweiten Antennendraht ziehe ich wieder als elevated Radial in die Botanik. Tuner und Coaxkabel anschließen, Laptop, Morsekeyer und Flexmaus schnell verkabelt und ich sehe mir die Bänder 40, 30 und 20 m an. Endlich wieder überall Signale. Ich starte mit 40m , ein CQ Ruf und die ersten Amis flattern herein. Mit S58A aus Kroatien, Niko, hatte ich schon mehrfach QSOs. Er gab mir einen glaubhaften S 9 Rapport aus Europa. Noch ein paar US-Stationen und mein Funkerherz war wieder seit langer Zeit beruhigt.

Die vielen Fragen nach Skeds (Verabredung für eine Funkverbindung) kann ich nicht beantworten, da wir ja keinen üblichen Urlaub machen und irgendwo im Nirgendwo rumstehen.

Wir sind wie ein kleines „Häufchen von ganz Neugierigen aus einem Nomadenvolk“, welches durch diesen nordamerikanischen Kontinent streunt…naja, fährt.

Wir sitzen nach meinen Funkeraktivitäten noch lange mit einem Glas Martini auf dem Tisch dieser Plattform und lassen uns vom riesigen Lorenzstrom inspirieren. Sternenklarer Himmel und jetzt im August, endlich keine Mücken mehr.

Der Stress der letzten 12 Tage fällt langsam von uns ab und am nächsten Morgen geht’s los in den Norden: 1536 km bis Goose Bay..!

Endlich sind wir auf dem Highway 389 von unserem Nachtlager nach Labrador City, der Provinzhauptstadt von Labrador. Vorher besorgen wir uns noch weitere Informationen über die Strecke. Es gibt alle 10 km SOS Telefone, weiter nördlich kann man leihweise und kostenlos ein Satelliten-Telefon bekommen. Auf der ganzen Strecke gibt es kein Mobilfunknetz, kaum in den wenigen Orten irgendwo ein Wifi-Zugang.

Anfänglich ist der Trucker-Verkehr noch groß und sehr nervig. Wir kommen an großen Energieverteiler-Stationen und Staudämmen mit Kraftwerken vorbei. Danach ist das Truckeraufkommen praktisch Null.

Die Landschaft ist wieder einmal berauschend schön. Weiter im Norden soll es viele Bären, Moose (Elche) und andere große Tierarten geben. Aber wir sehen keine dieser Tiere. Das Land ist hier so unglaublich groß, von den Erhebungen aus sehen wir nur Wälder und viele Seen.

Die Tage werden schon deutlich kürzer. Deshalb werden wir unseren täglichen Fahrt-Rhythmus verändern und früher losfahren müssen. Der Wildwechsel beginnt vor allem mit Beginn der Dämmerung und im Dunkeln fahren wir grundsätzlich nicht.

Tankstellen gibt es hier im Abstand von ca. 100 bis 200 km, sodass wir den zwar wesentlich teueren Diesel sicher bekommen.

Wir sind von einem starken Gewitter überrascht worden, die begleitenden Wolkenbrüche zwangen uns zu einer Pause. Es war wieder wie in einer Waschstraße, vieles den Staub und Matsch von unseren Autos etwas abgespült hat. Dennoch wird eine gründliche Handwäsche noch vor der Verschiffung unserer Autos notwendig sein.

Auf uns warten noch zwei längere Streckenabschnitte mit Graveloberfläche (Schotterstraße). Die rasenden LKWs Schleudern beim Überholen immer wieder kleine aber auch dickere Steine hoch, die uns wie Geschosse treffen. Meine Windschutzscheibe hat mehrere Einschläge und muß nach Rückkehr ausgewechselt werden.

Nach halber Strecke bis Labrador City können wir tanken und finden einen Nachtplatz.
Nur wenige hundert Meter stehen wir vor der riesigen Staumauer eines Stausees. Morgens früh ab 06:00 Uhr rasen die Laster an uns vorbei, dabei müssen sie wegen der Steigung den Gang runterschalten…na Ende mit der bisher doch ruhigen Nacht.

Die Gravelroad beginnt hier und fordert die volle Konzentration, um nicht in die plötzlich auftauchenden Schlaglöcher zu donnern. Während der nächsten 200 km erreichen wir eine durchschnittliche Geschwindigkeit von sage und schreibe 37 km/h. Na werden wir die weiteren 300 km bis Labrador City schaffen?

Nach der Gravelroad kommt dann die Erlösung. Endlich eine gute Asphaltstraße für die nächsten 100 km, wir können Zeit gutmachen. Aber noch einmal eine 70km- lange – Gravelroad, wie in den Karten farblich markiert.

Nachdem wir den großen Meteoritenkrater umfahren haben, der für den riesigen Stausee als Wasserreservoir dient,  ändert sich die Landschaft wenig, wir sind jetzt auf unser Ziel orientiert:

Labrador City!

Endlich raus aus Quebec, dem für uns ungastlichen Teil von Kanada, man spricht nur französisch und ist zudem richtig stur. Da sich das immer wiederholt, verfestigt sich unser Vorurteil in ein Urteil.

Ja, wir schaffen es und noch mehr Glück können wir kaum fassen. Denn:

Wir finden einen Campground, den wir grob inspiziert haben…mit den typischen riesigen mobilen Wochenendhäuser, aufgebockt mit Terrasse davor..wir drehen gerade ab, als Paul, der Campground-Officer uns mit seinen Pickup abfängt und uns ein Superangebot für seinen besten Platz am Strand eines entzückenden kleinen Lakes macht.

Na gut, wir lasen uns darauf ein und er führt uns zu „seinem“ Privatstrand…ein traumhafter Platz.
Ja, wir sind glücklich und erleichtert, liegen uns in den Armen…denn trotz des riesigen Platzes sind nur 4 Camper anwesend. Es ist ein typischer Wochenderholungsort…und er will nur 10$ pro Wagen haben!

Wir bocken unsere Wagen in dem weichen, hellen Sandstrand auf…unsere Keile versinken in dem weichen Sand. Wir haben schon schräger gestanden.

Renate hat noch eine Flasche Portwein. Es ist zwar relativ kühl, wir packen uns warm ein und setzen uns mit Kissen auf den festverankerten Holztisch mit Sitzbänken direkt am Wasser. Die kleinen Wellen brechen sich vor unseren Füßen und geben ein gemütliches Wellenrauschen ab.

Dass es bedeckt ist, stört uns nicht, auch der einsetzende Nieselregen macht uns anfänglich nichts aus, wir sind doch keine „Weicheier“. Dennoch ziehen wir uns mit dem kleinen Rest des Portweins in Renate’s Wohnmobil und verarbeiten unsere tollen Fahrleistungen…

.. ja, ich muß gestehen, dass ich große Zweifel am Anfang unserer Reise hatte, dass wir diese Ziele je erreichen würden.

Wer von unseren Freunden mag schon einmal hier gewesen sein? Wenn Ihr mal auf die Kanadakarte schaut, dann sucht mal Labrador City!

Jetzt haben wir sogar etwas Zeit, um uns auf der Strecke nach Happy Valley Goosebay ( nur noch 555 km), das Wasserkraftwerk „Churchill Falls“ anzusehen.

Dieser riesige Wasserfall ist für die Stromerzeugung unterirdisch umgeleitet worden und versorgt die nördlichen Regionen Kanadas mit Strom. Beim Anflug auf Montreal/ Halifax am 24. April hatten wir einen wolkenlosen Blick auf Labrador und konnten die wie mit dem Lineal gezogenen Straßen und Stromtrassen sehen….und den vielen Schnee, der im April Labrador noch komplett bedeckte. Der Bruder eines Funkfreundes, der in Labrador City lebt, schrieb damals, dass noch 4 m ! Schnee liegen würde..!

Und was uns auch sehr freut, ist, dass die 555 km nach Goose Bay seit vier Jahren komplett als Asphaltstraße ( Paved Road) ausgebaut ist, so Paul unser Camp-Officer. In unseren älteren Karten ist sie es noch eine Gravelroad.

Es hat die ganze Nacht geregnet, das Trommeln des Regens auf unsere Dächer wirkt beruhigend und wird nur manchmal von dem gleichbleibenden Wellenschlag übertönt. Ausgeruht geht’s dann nach dem Frühstück weiter, nachdem wir an der Dumpingstation des Campgrounds unsere Toilettenboxen gereinigt und unsere Wassertanks aufgefüllt haben.

Kilometerstand: 25 125 km
GPS: 52 Grad 53′ 45″ Nord
66 Grad 59′ 25″ West
Am 23.August 2017 Labrador City

 

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