Von Happy Valley Goose Bay zu den Eskimodörfern im Norden von Labrador

Jetzt geht’s los:… Von Happy Valley Goose Bay zu den Eskimodörfern im Norden von Labrador

Erste Eindrücke auf der NorthernRanger…

Wir haben schon am dritten Tag Sonnenschein hier auf der Labrador Sea, ruhiges Wasser. Drei Wale und 2 Eisberge bis jetzt und ein schönes Inselpanorama. Vier Inuit (Eskimodörfer) haben wir bis jetzt angefahren. Kann momentan keine emails Empfangen und keine Blogs senden, werden vom Reedereirouter blockiert. Ab Freitag, wenn wir zurück in Goose Bay sind, habe ich wieder Internet.

Wir sitzen in der Sonne auf dem Oberdeck der „Northern Ranger“, einem Fracht- und Passagierschiff, welches zwischen Happy Valey – Goose Bay und fünf in Eigenverantwortung der Inuit (Eskimos) verwalteten fünf Dörfern hier oben im Norden von Labrador wöchentlich pendelt. Es versorgt diese Enklaven mit Fracht, Post und den Gütern des täglichen Bedarfs.

Nunatsiavut nennt sich dieses Land der Eskimos, den Inuit.  Es ist die Heimat von fünf Inuit-Communities, die von diesen als Reservate selbstverwaltet werden, es sind von Nord nach Süd : Nain  (1170 Einwohnern), Hopedale (640), Makkovik (400), Postville (195) und Rigolet (306)

Dabei dient die „Northern Ranger“, ein in die Jahre gekommener Frachter, vor allem den Inuit als Passagierschiff, als Bus- oder Bahnersatz, um in Goose Bay Arzt-Termine o.ä. wahrnehmen zu können und die Freunde und andere Familienmitglieder in den Nachbardörfern zu besuchen. Über Land können diese nur in den langen Wintermonaten mit Snowboards oder Hundeschlitten erreicht werden.

Die durch und durch heruntergekommene und vor Rost strotzende „Northern Ranger“ würde nach unseren Maßstäben sofort stillgelegt werden, denn verantwortungsvolles Handeln der Reederei und des Kapitäns ist nicht erkennbar.

Die 24köpfige Besatzung ist vor allem beim Ent- und Beladen sichtbar und natürlich das Kantinenpersonal in der Kantine. Bei Rundgängen kümmert sich keiner um die Sicherheit oder Pflege des Schiffes.

Salzwasser ist sehr aggressiv, das ist keine neue Erkenntnis!

Der überall sich durchdrückende Rost bildet dicke blasenförmige Formen, der mit zigfachen Anstrichen nicht zu verdecken sind.

Die Rettungsboote und -inseln sind so vergammelt, dass sie nach unserer sachkundigen Meinung weder aus den Halterungen gelöst werden könnten, um sie mit den Passagieren im Notfall zu Wasser zu lassen, noch würden die vergammelten Antriebsmotoren anspringen und die festgerosteten Schiffsschrauben antreiben können. Diese sitzen bombenfest. Es liegen zwar Paddel in den Booten, aber es fehlen alle Dollen. In den Booten liegt Unrat, die Sitzbänke sind unbenutzbar…!

Wir trösten uns damit, dass wir bis jetzt eine sehr ruhige Wetterlage erwischt haben.

Auch Touristen können die schlichten Vier-Bett-Kabinen buchen. Eine Art „Werkskantine“ versorgt die Besatzung und die Passagiere.

Da English-Breakfast mit fetten Würstchen, Leberkäse, Kartoffeln nicht unser Ding ist, haben wir uns leckere, selbstgemachte Marmelade an einem der Stände im Hafen von Makkovik gekauft und lassen uns Toastbrot zum Frühstück rösten. In Nain haben wir noch Käse, Servelatwurst  sowie Trinkwasser gekauft…!

Die Lunch- und Dinner-Speisekarte bietet täglich drei verschiedene Gerichte an. Im fröhlichen  Wechsel von Finger-Chicken oder Hamburger mit Fries oder Fries mit Chicken oder für uns nicht klar definierbares vegetarisches Allerlei stillen wir den wachsenden Hunger…irgendwie.

Der Hauptzweck der Reederei für die „Northern Ranger“ scheint das Speditionsgeschäft zu sein.

Die Crew konzentriert sich auf die Schiffsfunktionen und auf das Be- und Entladen der Fracht. Der Service für die Passagiere ist sehr rudimentär.

Wir wußten ja, dass es keine Aida-Luxus-Cruise ist.

Die Cafeteria ist nur während der Essenszeiten geöffnet. Ein uns von anderen Fähren her bekannter Aufenthaltsraum enthält nur Sesselreihen. Man wird praktisch gezwungen, hier abends oder bei schlechtem Wetter zu sitzen und das wirklich verblödende Werbefernsehen mit den Lachserien zu betrachten.
Dieser Raum wird geradezu belagert, relativ viele der Einheimischen können sich keine Kabinen leisten und schlafen mit drei Generationen hier. Dementsprechend laut und lebhaft ist es hier.

Auch wenn wir wollten, könnten wir es dort kaum länger als eine Stunde aushalten. Eigentlich wollten wir in den Zeiten, in denen wir nicht oben auf einem der Decks sitzen können, unsere Berichte schreiben und Renate ihre Filme bearbeiten. Keine Chance!

Die Kabinen verfügen über einen Stuhl und keinen Tisch, an dem wir mit Laptop und iPad arbeiten könnten.

Die Etagenbetten haben gute Matratzen, jedoch stößt man sich den Kopf an dem oberen Bett, wenn man sich auf die Bettkante hinsetzen möchte. Unsere DJH ( Deutsche Jugendherberge) ist komfortabler.

Gottseidank habe ich mir vor der Abfahrt noch schnell mein gutes Federbett und mein Kopfkissen aus dem Wohnmobil geholt, denn als Oberbett sollte ein einfaches Bettlaken mit einer leichten, dünnen Decke dienen. Mit dieser eigenen Ausstattung kann ich gut schlafen, Renate hat ihren Schlafsack mitgebracht.

Das Meer ist ruhig, sogar manchmal in den Fjords spiegelglatt. Wir erfahren mehrfach, dass dieses warme Sommerwetter sehr ungewöhnlich für diese Region ist, zumal auch noch Regen vorhergesagt worden war.

Diese Fjords hier haben einen völlig anderen Charakter als die norwegischen oder der Milford Fjord auf der Südinsel Neuseelands. Nicht besser oder schlechter, eben völlig anders. Viele Inseln mit kargen Felsen und kaum noch Vegetation. Die in Reiseberichten versprochene reichhaltige Vogelwelt auf diesen Inseln, vermissen wir total.

Robben, Seelöwen, Seehunde sind nicht zu entdecken. Die „Ausbeute“ an Walen, Delphine o.ä. ist bis jetzt sehr bescheiden.

Zwei Eisberge am Horizont am ersten Tag hatten uns auf mehr hoffen lassen, naja noch haben wir zwei Tage. Wir werden bescheiden und hoffen darauf, dass in den kommenden zwei Tagen das Wetter so schön bleibt, damit wir über Tag weiterhin draußen auf den harten Eisenbänken sitzen  und Sonne und Landschaft genießen können.

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