Von St. John’s über die Halbinsel Avalon nach Argentia zur Fähre

Der Herbst hat hier in St. John’s, der Hauptstadt von Neufundland und Labrador, in diesen Tagen zugeschlagen: Unmengen von Regen und wechselnd damit Nebelschwaden. Die Sturmböen sind heftig, der Wind hat sich gedreht und ständig bläst er unsere Kühlschränke aus.
Macht nicht wirklich Spaß, wenn nicht die Aussicht auf zwei wundervolle Sonnentage, morgen und übermorgen, mehrfach bestätigt, bestehen würde.

Wir besuchen das Visitor Center, was mehr einem Museum gleicht. Hier finden wir ausführliche Informationen über die geologische, historische und technologische Geschichte von St. John’s. In einem gutgemachten Kurzfilm werden die Geschichten der Menschen im 16.- und 17. Jahrhundert nachgestellt. Kriege zwischen den Engländern und Franzosen bestimmen hier das Leben.

Danach erledigen wir unsere Einkäufe und fahren dann zum Funkfreund Rick, VO1SA, einem DXer, mit dem ich schon viele CW QSOs auch während meiner Dxpeditionen gefahren habe.

Zwei hohe Gittermasten mit drei Beams, Dipole ab 160 m bis 30 m, eine Station mit Pa, die man nicht überhören kann.

Seit 30 Jahren sammelt er alle Sorten von Morsetasten, Paddels, Keyer..,selbst eine Copie der Morsetaste von der nicht weit von hier gesunkenen Titanic, nennt er sein Eigen.

Wir sprechen über die allgemeinen Funker-Themen, der hiesigen Entwicklung im Amateurfunk…! Von ca. 200 Funkern auf Neufundland sind knapp 20 auf den Bändern, vor allem auf 2m und 70cm. Die Nachwuchssorgen sind die gleichen wir bei uns. Die Sterbequote der alten Funker ist relativ hoch, und es kommt kaum etwas nach. Als QSL-Manager für Neufundland hat er einen guten Überblick über die Aktivitäten; wie bei uns hat er jahrelang QSL Karten von jetzt inaktiven Funkern aufbewahrt, die diese nicht abgeholt haben. Er hat Fristen gesetzt und dann doch sehr viele Karten schlichtweg in den Papiermüll entsorgt.
Wie sich die Bilder gleichen!

Die Antennen leiden durch die harten Winter hier schwer, Eisbildung lässt die Beamelemente und Boomrohre durchhängen. Wenn sie nicht mit zusätzlichen Abspannungen stabilisiert werden, zerbrechen sie unter der Eis- und Schneelast.

Die Nacht verbringen wir wieder auf dem großen Parkplatz neben dem Cabot Tower auf dem Signal Hill. Sie verläuft Gottseidank sehr ruhig, keine anderen parkenden Autos mit laufenden Motoren und lauter Musik….aber es stürmt und gießt…bis etwa 23:00 Uhr. Die Kühlschrankflamme wird mehrfach vom Wind ausgeblasen.

Der Wetterbericht erfüllt unsere große Hoffnung auf Sonne. Wir können unsere Fotos mit dem richtigen Licht machen, alles wirkt wesentlich schöner und brillanter.

Unseren Wahlämtern hatten wir um Zusendung unserer Bundestagswahl-Unterlagen postlagernd an eine Postoffice-Adresse in St. John’s angeschrieben.

Wir hatten große Zweifel, ob das klappen würde:

Und es hat geklappt! Unsere Stimmzettel sind schon wieder unterwegs an unsere Heimat-Wahlämter. Der Aufwand war zwar groß, jetzt sind wir erleichtert, dass wir unsere Bürgerpflicht wahrgenommen haben. Man kann ja in den USA und auch im Vereinigten Königreich sehen, was passiert, wenn die Bürger sich der Stimmabgabe verweigern.

Wir fahren von St. John’s weiter in Richtung Süden zum Cape Spear, nicht weit von der Hauptstadt. Hier befindet sich der östlichste Punkt Nordamerikas. Nur 3130 km bis Irland.

Wir sind vier Wochen zu spät, ansonsten hätten wir hier Eisberge und Wale beobachten können.

Das gleiche erleben wir beim nächsten Ziel: Bay Bulls.

Visitor Center closed, und auch die Touristen-Boottrips zur Walbeobachtungen sind geschlossen.

Weiter geht’s: nach rund 70 km sehen wir abseits des Highways hoch auf einem Felsvorsprung im Atlantik einen Leuchtturm. Ein idealer Nachtplatz für uns, jedoch liegt dazwischen eine Gravelroad direkt an dem steilen Kliff, die es in sich hat und weder Rückwärtsfahren noch Drehen ist möglich. Dafür werden wir dann mit einem super liegenden fast ebenen Nachtplatz mit Weitblick sowohl auf die Bucht als auch auf den Atlantik belohnt. Kein Wind, kein Regen, nur das Rauschen der schwachen Brandung ist zu hören.

Wir wollen weiter die Halbinsel Avalon (Pennisula) an der Küste entlang befahren, um dann morgen Mittag in Argentia unsere gebuchte Nachtfähre nach North-Sydney zu erreichen. Dann geht’s zum hoffentlich farbenfrohen Indian Summer in Nova Scotia und zur schönsten Küstenstraße der Welt, flüstert man.

Die Paved Road, Asphalt, hat uns mit tausenden von Potholes, Schlaglöchern, genervt und sind froh, dass wir in Placentia einen schönen Nachtplatz direkt an der Bay finden. Ein traumhafter Sonnenuntergang erfreut uns; danach feiern wir den Abschied von Labrador/Neufundland.

Unsere Reflexion ergab bei einer guten Stimmung, dass wir bis jetzt 145 Übernachtungen gut bis sehr gut überstanden haben. Tolle Stellplätze haben wir genossen, die zum Verweilen einluden.

Aber wir haben uns für die große Tour bis nach Alaska rauf entschieden. Das war gut so. Jetzt haben wir über 29 000 Km praktisch pannenlos überstanden. Das ist schon sehr zufriedenstellend.
Die letzten 1 000 km in Nova Scotia werden hoffentlich ebenso gut klappen.

Jetzt borden wir auf die Fähre von Argentia in Neufundland nach North-Sydney in Nova Scotia.

Um 09:00 Uhr sollen wir morgen früh dort angekommen sein.

Nachtrag zum Blog „Fogo- Island“:
Funkfreund Rick hat unsere Vermutung bestätigt und spezifiziert, dass dort die „Schönen und Reichen“ ihre Holliday-Häuser haben. Es stimmt, es sind vor allem reiche USA-Bürger, die vor allem dort die Saison der Wale und Eisberge erleben und dafür jeden Cent opfern. Es befindet sich sogar ein kleiner Flugplatz im Bau. Sie zahlen offensichtlich kräftig Steuern und Spenden darüber hinaus in die öffentliche Infrastruktur.

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